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Prozesse - Hamburg:Zeuge im Stutthof-Prozess: Erhängte neben dem Weihnachtsbaum

Deutschland
Der Angeklagte wird in einer Pause in einem Rollstuhl aus dem Gerichtssaal gebracht. Foto: Daniel Reinhardt/dpa (Foto: dpa)

Hamburg (dpa/lno) - Im Hamburger Prozess gegen einen früheren Wachmann im KZ Stutthof ist am Freitag eine Erklärung eines norwegischen Überlebenden verlesen worden. Der heute 97 Jahre alte Johan Solberg war demnach als Mitglied der norwegischen Widerstandsbewegung im Frühjahr 1944 gefangen genommen worden. Am 13. August 1944 kam er mit rund 50 Gefangenen aus Norwegen in das Lager bei Danzig. "Meine erste Begegnung mit dem Lager war ein Schockerlebnis", hieß es in der Erklärung. Er habe gesehen, wie Wagen mit Leichen zum Krematorium geschoben worden seien. Ein Mann habe den Toten die Goldzähne herausgezogen.

Er habe elf Hinrichtungen beobachtet, ließ Solberg von seinem Sohn in der Erklärung protokollieren. "Am stärksten beeindruckt hat mich die Hinrichtung von zwei russischen Jungen am vierten Weihnachtstag (28. Dezember)." Die beiden Jugendlichen seien neben einem Weihnachtsbaum erhängt worden.

Angeklagter in dem Prozess ist ein 93-Jähriger, der von August 1944 bis April 1945 in Stutthof als Wachmann im Einsatz war. Ihm wird Beihilfe zum Mord in 5230 Fällen vorgeworfen. Er soll "die heimtückische und grausame Tötung insbesondere jüdischer Häftlinge unterstützt" haben. Zu seinen Aufgaben habe es gehört, die Flucht, Revolte und Befreiung von Gefangenen zu verhindern.

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