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Prozesse - Gera:Rentner gesteht tödliche Messerattacke auf Nachbarn

Gera (dpa/th) - Ein 78-Jähriger hat vor dem Geraer Landgericht gestanden, seinen Nachbarn erstochen zu haben. Allerdings könne er sich aufgrund seines Alkoholkonsums am Tatabend nicht mehr genau erinnern, ließ er über seinen Anwalt zum Auftakt des Prozesses am Dienstag erklären. Zudem habe er damals wenig geschlafen. Der Rentner sitzt wegen Mordes auf der Anklagebank.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, im Februar dieses Jahres seinen Nachbarn im Schlaf erstochen zu haben. Dem widersprach Verteidiger Manfred Dahmen. Das Opfer habe nach dem 78-Jährigen getreten, worauf es zu dem tödlichen Messerstich gekommen sei. Das Opfer starb noch vor Eintreffen des Notarztes.

Zu Jahresbeginn war die Gartenlaube des Angeklagten in Flammen aufgegangenen. Im Verdacht stand der später Getötete. Verteidiger Dahmen sagte, der Verlust der Laube habe das Leben des Angeklagten verändert. Der frühere Ingenieur sei depressiv und traurig geworden.

Bei der Tochter des Opfers, die in dem Prozess als Nebenklägerin auftritt entschuldigte sich der 78-Jährige: "Ich möchte mich nicht nur entschuldigen, ich möchte auch um Verzeihung bitten."

Verwandte und Freunde des Angeklagten haben das Gericht in einem Brief um ein mildes Urteil gebeten. Der Rentner sei ein freundlicher und hilfsbereiter Mann, der immer geradlinig durch das Leben gegangen sei, hieß es darin.

Über seinen Anwalt ließ der Angeklagte erklären, dass er sich die Tat selber nicht erklären kann. Die Staatsanwaltschaft geht von Rache als Motiv aus und unterstellt ihm außerdem Heimtücke.

Ein Mitarbeiter der Hausverwaltung beschrieb im Zeugenstand das Opfer als einen schwierigen Mieter. Viele Hausbewohner hätten sich über dessen Verhalten beschwert, er habe andere beleidigt und auch viel getrunken.

Für den Prozess sind bislang acht Verhandlungstage anberaumt. Mit einem Urteil ist demnach Ende September zu rechnen. In dem Verfahren wird unter anderen auch eine Gutachterin zur Schuldfähigkeit des Angeklagten gehört. Der 78-Jährige sitzt seit Ende Februar im Untersuchungshaft. Ihm droht bei einer Verurteilung wegen Mordes eine lebenslange Freiheitsstrafe.