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Prozessauftakt in Stade:19-Jähriger soll kleine Schwester getötet haben

Er soll seine elfjährige Schwester erdrosselt und die Leiche im Schuppen der Eltern versteckt haben: In Stade hat der Prozess gegen einen 19-Jährigen begonnen. Die Familie glaubt an seine Unschuld.

  • Fünf Monate nach dem gewaltsamen Tod einer Elfjährigen im niedersächsischen Neu Wulmstorf hat vor dem Stader Landgericht der Prozess gegen ihren tatverdächtigen Bruder begonnen.
  • Der junge Mann will vor Gericht schweigen - genau wie seine Familie, die an seine Unschuld glaubt.

Prozess um Totschlag beginnt

Er soll seine elf Jahre alte Schwester getötet haben, deshalb muss sich ein 19-Jähriger seit Montag vor dem Landgericht Stade verantworten. Die Anklage legt ihm zur Last, das Mädchen im März 2014 auf dem Grundstück der Eltern in Neu Wulmstorf (Niedersachsen) umgebracht zu haben. Die Schwester sei von ihm erdrosselt worden. Nach der Tat soll der Bruder die Leiche in einem Müllsack im Gartenschuppen versteckt haben.

Der 19-Jährige ist wegen Totschlags vor der 2. Großen Jugendstrafkammer des Stader Landgerichts angeklagt. Er gilt im Sinne des Strafrechts als Heranwachsender. Darum wurde der junge Mann erst in den Schwurgerichtssaal geführt, als Fotografen und Kamerateams den Raum wieder verlassen hatten.

Angeklagter will schweigen

Der junge Mann verfolgte regungslos die Verlesung der Anklage und nickte nur mit dem Kopf, als der Vorsitzende Richter Angaben zu seiner Person machte. Die Verteidigerin erklärte, dass der Angeklagte auch im weiteren Prozessverlauf nichts sagen werde. Im Falle einer Verurteilung erwartet ihn eine Jugendstrafe von bis zu zehn Jahren.

Die Eltern des getöteten Mädchens nehmen nicht am Prozess teil. Ein Verteidiger teilte mit, dass sie von ihrem Recht, die Aussage zu verweigern, Gebrauch machen wollten. Auch die ältere Tochter werde schweigen. Die Familie glaubt an die Unschuld des Sohnes.

Vater glaubte an Entführung

Der Vater des elfjährigen Mädchens hatte seine Tochter am Abend des 21. März als vermisst gemeldet und eine Entführung vermutet. Sie sei auf dem Weg nach Bayern, sagte er der Polizei in einem Notruf, dessen Mitschnitt am Montag in der Gerichtsverhandlung vorgespielt wurde.

Die Polizei suchte nach dem Anruf das Grundstück der Familie mit Suchhunden ab. Ein Hund schlug am Gartenschuppen an. Die Beamten öffneten die Tür und fanden das tote Mädchen. Kurz darauf wurde der damals 18-jährige Bruder unter dringendem Tatverdacht festgenommen. Er sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

Urteil erst im November

Die Verteidigerin des Angeklagten beantragte am Montag, die Aussage ihres Mandanten aus der ersten Vernehmung nicht zu verwenden. Ein Beamter habe ihn frühzeitig verdächtigt und ihm eine Falle gestellt.

Zum Motiv der Tat und den näheren Umständen wurde noch nichts bekannt. Der Prozess, für den zwölf Verhandlungstage angesetzt sind, wird am 15. September fortgesetzt. Ein Urteil wird erst für Ende November erwartet.

© dpa/afis/jst
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