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Prozessauftakt in Mainz:Verschleppt und missbraucht

"Eine möglichst hohe Strafe": In Mainz steht ein Mann vor Gericht, der eine Siebenjährige nachts aus ihrem Elternhaus entführt und vergewaltigt haben soll.

Weil er ein kleines Mädchen nachts aus dem Elternhaus verschleppt, missbraucht und es schwer verletzt wieder zurückgebracht haben soll, steht ein 27-Jähriger seit Donnerstag vor dem Mainzer Landgericht. Laut Anklage soll er die Siebenjährige im Juli 2009 in einem Weinberg in Nieder-Olm vergewaltigt haben. Die Anwältin des Opfers kündigte an, eine möglichst hohe Bestrafung erreichen zu wollen.

Der mutmaßliche Kinderschänder vor dem Mainzer Landgericht.

(Foto: Foto: dpa)

Der Fall hatte Schlagzeilen gemacht, weil der geständige Mann das Kind nach der Tat zurückbrachte, ohne dass die schlafenden Eltern etwas bemerkten. Die Hauptverhandlung wurde am Donnerstag allerdings bereits zehn Minuten nach Prozessbeginn bis zum kommenden Dienstag unterbrochen, weil der psychiatrische Gutachter verhindert war. Es wurde lediglich die Anklage verlesen. Zudem kündigte Patrick Q. an, aussagen zu wollen.

Der Mann war bereits einen Tag nach der Tat festgenommen worden. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. Zu dem schnellen Erfolg hatten DNA-Spuren am Tatort geführt. Der vorbestrafte Mann war laut Polizei wegen Körperverletzung und Eigentumsdelikten aktenkundig.

Mit einem Blatt Papier vor dem Gesicht versuchte sich der Angeklagte vor den Kameras zu schützen. "Es kommt uns auf eine möglichst hohe Bestrafung des Täters an", betonte vor Prozessbeginn die Anwältin des Opfers. Denn nur so sei es dem Kind, das seit der Tat therapeutisch behandelt werde, möglich, das Geschehen zu verarbeiten. Der Vater des Opfers kämpfte während der Verlesung der Anklage mit den Tränen.

Laut Staatsanwaltschaft war der 27-Jährige durch ein gekipptes Fenster in das Kinderzimmer gestiegen. Er habe das in seinem Hochbett schlafende Mädchen geweckt, seinen Mund zugehalten und es fortgetragen. Schwer verletzt habe er es später wieder ins Bett gelegt.

Erst am Morgen entdeckten die Eltern das Verbrechen. Die Siebenjährige wurde in einer Klinik stundenlang operiert und zudem wegen einer vom mutmaßlichen Täter übertragenen Hepatitis-C-Infektion wochenlang behandelt.

Der aus Norddeutschland stammende Angeklagte, der erst eine kurze Weile in Nieder-Olm bei Mainz lebte, muss im Falle einer Verurteilung mit einer Haftstrafe von bis zu 15 Jahren und dauerhafter Sicherungsverwahrung rechnen. Laut Verteidiger hat er ein Alkohol- und Drogenproblem. Das Landgericht Mainz hat vorerst sechs Verhandlungstage terminiert.

© sueddeutsche.de/dpa/aho/dmo

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