bedeckt München 18°

Prozessauftakt in Düsseldorf:Familienvater und Serienvergewaltiger

Tagsüber war er Schlosser und Familienvater, nachts ging er auf die Jagd nach Frauen - 20 Jahre lang: In Düsseldorf steht ein Serienvergewaltiger vor Gericht, der mehr als 1000 Sexualdelikte gestanden hat.

Gut 15 Jahre lang führte er ein unheimliches Doppelleben: Im 1800-Seelen-Dorf Altenahr in der Eifel war er der unauffällige Nachbar, der nette Familienvater. Doch nachts und am Wochenende streifte der Schlosser tausende Kilometer mit seinem Auto umher - auf der Jagd nach Frauen.

Prozessauftakt gegen Serienvergewaltiger

Er soll mindestens neun Frauen vergewaltigt und fast 1000 weitere sexuell misshandelt haben: Der mutmaßliche Täter (re.), ein 46-jähriger Familienvater, berät sich zu Prozessbeginn mit seinem Verteidiger.

(Foto: dapd)

Nach einer der längsten Serien von Vergewaltigungen in Deutschland und benachbarten Ländern hat heute vor dem Düsseldorfer Landgericht der Prozess gegen 46-Jährigen begonnen - mit dessen Geständnis. Der 46-jährige Angeklagte räumte die ihm zur Last gelegten Taten ein. Es tue ihm leid, sagte der Familienvater.

Am ersten Verhandlungstag berichtete die leitende Ermittlerin der Polizei von den Vernehmungen. Der Angeklagte weinte mehrmals während ihrer Aussage.

Der Mann hatte zuvor bereits im Ermittlungsverfahren gegenüber der Polizei ein umfassendes Geständnis abgelegt. Seine "Lebensbeichte" ist 590 Seiten lang. Darin bekannte er sich dazu, in den vergangenen 20 Jahren rund 1000 Sexualdelikte begangen zu haben.

Um den Prozess gegen den gelernten Schlosser nicht unnötig in die Länge zu ziehen, hat die Staatsanwaltschaft ihn wegen insgesamt neun vollendeten oder versuchten Vergewaltigungen in Düsseldorf, Köln, Bonn, Aachen und Krefeld angeklagt. Ihm drohen nun bis zu 15 Jahre Haft und Sicherungsverwahrung. Außerdem hat die belgische Justiz seine Auslieferung beantragt.

"Das Auffällige an ihm ist seine Unauffälligkeit", hatte eine Ermittlerin vor Prozessbeginn gesagt. "Er ist der unscheinbare Nachbar, dem niemand diese Tat zutraut."

Meist am Wochenende sei der 46-Jährige aus Rheinland-Pfalz hunderte Kilometer in seinem Auto unterwegs gewesen, um überwiegend in Nordrhein-Westfalen jungen Frauen nachzustellen. Er sei nachts maskiert in die Erdgeschosswohnungen junger Frauen eingestiegen, habe die Opfer mit einem Messer bedroht und vergewaltigt.

Täter täuschte Behinderung vor

Neben den Vergewaltigungen soll sich der Mann rund 1000 Mal mit Hilfe einer Mitleidsmasche an Frauen vergangen haben. Er klingelte an Haustüren und täuschte vor, körperbehindert zu sein und seine Arme nicht bewegen zu können. Dann bat er, kurz auf die Toilette zu dürfen. Wurde ihm dies gestattet, bat er um weitere Hilfe, um das WC benutzen zu können. Rund 150 Frauen habe er so überreden können, ihn sexuell zu befriedigen. Dass dies nicht strafbar ist, habe er gewusst. Dennoch erstatteten 91 Frauen Strafanzeige. Die Ermittler gehen aber von einer immensen Dunkelziffer aus, weil viele Opfer sich schämen.

Jahrelang narrte der Sextäter die Fahnder: Da er einen Dialekt vortäuschte, suchten sie nach einem Ausländer. Mehrmals entkam der Mann nur mit sehr viel Glück, berichteten die Ermittler: So war er bei einer versuchten Vergewaltigung einer Frau vom heimkehrenden Ehemann überrascht und in einen Kampf verwickelt worden. Dabei verlor er vor dem Haus einen Fetzen seines Handschuhs. Als die Polizei bereits am Tatort war, kehrte er anscheinend seelenruhig zurück, mischte sich unter die Schaulustigen und ließ den verräterischen Fetzen verschwinden.

Den entscheidenden Hinweis hatte ein Polizist aus dem belgischen Eupen geliefert. Er erinnerte sich daran, dass er vor einigen Jahren wegen eines Diebstahls gegen einen Mann ermittelt hatte, der eine ähnliche Mitleidsmasche wie der gesuchte Sexualstraftäter benutzt hatte und kannte seine Personalien. Ein DNA-Abgleich lieferte dann eine lange Reihe von Treffern und brachte ans Licht, wer der Justiz da ins Netz gegangen war.

Blankes Entsetzen bei Angehörigen

Als der Schlosser festgenommen wurde und sein Doppelleben ans Licht kam, löste dies in seinem Umfeld blankes Entsetzen aus. Seine Frau beantragte die Scheidung und für sich und die gemeinsamen Kinder eine Namensänderung.

Beim Tatmotiv spielten neben dem Sexualtrieb des Mannes auch Macht-Gelüste eine Rolle, vermuten die Ermittler. Als Opfer hatte sich der zweifache Familienvater vor allem hochintelligente Frauen wie Ärztinnen, Psychologinnen oder Studentinnen ausgesucht. Es habe ihm besondere Befriedigung verschafft, ihnen überlegen zu sein und sie zu beherrschen, sagte Staatsanwalt Eberhard Harings.

Für den Prozess sind bislang drei Verhandlungstage angesetzt. Ende Oktober soll das Urteil verkündet werden. Der Vorsitzende Richter sagte, die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus werde in Erwägung gezogen.

© Frank Christiansen, dpa/dapd/kat/segi
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema