Prozess zur Loveparade-Katastrophe:Hoffnung auf Frieden, nicht auf Gerechtigkeit

Lesezeit: 1 min

Dreieinhalb Jahre nach der Loveparade-Katastrophe in Duisburg gibt es nun eine Anklage. Verantworten müssen sich jedoch die kleinen Lichter aus der Stadtverwaltung und nicht Oberbürgermeister Sauerland. So kann das Geschehen nicht umfassend aufgearbeitet werden.

Ein Kommentar von Bernd Dörries, Duisburg

Es kommt nicht oft vor, dass ein Urteil schon gefällt ist, bevor der Prozess vor Gericht überhaupt begonnen hat. Wegen der Toten auf der Loveparade gibt es nun nach dreieinhalb Jahren quälenden Wartens für die Angehörigen endlich eine Anklage. Was es nicht mehr gibt, ist die Hoffnung auf umfassende Gerechtigkeit.

Diejenigen, die damals die Parade wollten - für ihr eigenes Ego, für ihren eigenen Geldbeutel - sie werden sich nicht auf der Anklagebank wiederfinden. Der damalige Oberbürgermeister Adolf Sauerland nicht und auch nicht der Fitnessunternehmer Rainer Schaller.

Angeklagt sind eher kleine Lichter, Leute aus dem Mittelbau der Stadtverwaltung vor allem, die oft voller Zweifel waren, ob so viele Hunderttausend Leute durch einen engen Tunnel passen, die dann aber doch die Genehmigungen unterschrieben haben, sich dazu drängen ließen. Drängeln, ein bisschen Druck ausüben ist leider kein Straftatbestand.

Deshalb muss nun in Duisburg versucht werden, eine andere Art von Gerechtigkeit zu finden, eine umfassende Aufarbeitung des Geschehens. Darum haben sie sich bisher gedrückt in der Stadt und tun es letztlich bis heute, verweisen auf laufende Ermittlungen. Die sind nun aber erst einmal zu Ende, und für die Stadt besteht nun die Chance, endlich einen Weg zu finden, sich mit dem schrecklichsten Ereignis ihrer jüngeren Geschichte auseinanderzusetzen. Frieden zu finden.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema