Prozess "Wenn das hier Schule macht, dann Gute Nacht für alle Frauen in Deutschland"

Eine andere junge Frau war im Juni 2012 in jenem Berliner Club, in dem Lohfink mit den beiden Männern feierte, ehe sie mit ihnen fast zwölf Stunden in einer Wohnung am Kurfürstendamm verbrachte. Die Zeugin kann sich noch gut an die Begegnung mit Lohfink erinnern, denn sie ist aus Süddeutschland angereist, um einmal in Berlin Party zu machen. "Wenn man dann das Glück hat, in der Disco Frau Lohfink zu treffen, ist das für ein Dorfkind schon ein Highlight." Sie habe Lohfink um ein Foto gebeten, dabei sei sie ihr betrunken vorgekommen. Ob sie wirkte, als sei sie unter Drogen oder stark alkoholisiert, will die Staatsanwältin wissen. "Nein, nur ein bisschen torkelig", sagt die Frau.

Der toxikologische Sachverständige, der alle Filmdateien gesehen hat, sagt dann auch, dass Lohfink "mit hoher Wahrscheinlichkeit" keine Substanzen verabreicht worden seien, die sie willenlos gemacht hätten. Sie sei wach, spreche, reagiere, tippe am Computer, alles Dinge, die man nicht tun kann, wenn man K.o.-Tropfen im Blut hat. Sie habe gar ihre damalige Managerin angerufen und gesagt, sie sei in der Wohnung von C. und esse Pizza.

Vor allem habe Lohfink der Polizei erzählt, wie ihr Stück für Stück die Erinnerung wiedergekommen sei, als sie die 28 Sekunden im Netz sah; danach zeigte sie eine Vergewaltigung an, schilderte, sie sei festgehalten worden, habe geweint und Schmerzen erlitten. Unmöglich, sagt der Gutachter. Es gehöre zur Wirkung von K.o.-Tropfen, dass man sich an nichts erinnern könne, weil das Bewusstsein nicht mehr normal funktioniere: "Als würde man eine Videokamera laufen lassen, in der kein Film ist."

Gina-Lisa Lohfink Zeuge im Prozess gegen Gina-Lisa Lohfink: "Wir hatten zu dritt Spaß"
Berlin

Zeuge im Prozess gegen Gina-Lisa Lohfink: "Wir hatten zu dritt Spaß"

Einer der angeblichen Vergewaltiger äußert sich zum ersten Mal vor Gericht. Er wirft Lohfink ein Lügenkomplott vor. Diese bricht beim erneuten Ansehen des Videos in Tränen aus.

"Wir sind auf wahre Angaben angewiesen", sagt die Staatsanwältin. Wenn jemand wissentlich die Unwahrheit sage, könne die Justiz nicht arbeiten, und es würden womöglich Unschuldige verurteilt. Lohfink habe bewusst ein Verbrechen erfunden, das nicht stattfand. Weil sie, als sie von den Videos im Netz erfuhr, gemerkt habe, dass sie da "nicht unbeschädigt herauskomme". Dem widerspricht die Verteidigung vehement. Lohfink habe bei der Polizei nie dezidiert von Vergewaltigung oder K.o.-Tropfen gesprochen, sondern lediglich Sex geschildert, den sie nicht wollte. "Wenn das hier Schule macht, dann Gute Nacht für alle Frauen in Deutschland."

Lohfink schwieg vor Gericht

Die Richterin aber sieht es wie die Staatsanwältin und verurteilt Lohfink zu einer Geldstrafe von 20 000 Euro. Lohfinks Behauptungen seien unwahr, was man auf den Videos sehe. Die bezeichnet sie als "etwas Besonderes": In Vergewaltigungsprozessen sei man ja normalerweise auf die Aussagen der Opfer und Täter angewiesen, doch hier gebe es objektive Bilder. Zur Anklagebank gewandt, sagt sie, sie hätte gerne eine Aussage von Lohfink gehabt. Die aber schwieg vor Gericht. Ihre Version erzählte sie lieber der Presse. In jeder Prozesspause trat Lohfink vor die Kameras, selbst auf dem Weg zum Klo gab sie Interviews und ließ sich von Aktivistinnen beklatschen. Als sei ein Gerichtssaal eine andere Form von Frühstücksfernsehen.

Kurz nach der Urteilsverkündung läuft Lohfink aus dem Saal, gefolgt von Sympathisanten aus dem Zuschauerraum, die vorher noch "Buh!" in den Saal gerufen hatten. Draußen warten die Kameras, noch mehr Öffentlichkeit, Lohfinks Anwalt nennt das Verfahren "einen riesengroßen Erfolg". Demnächst geht Lohfink Medienberichten zufolge ins RTL-Dschungelcamp, für angeblich 150 000 Euro Gage.