In vielen Ländern, gerade in der arabischen Welt, gilt es als Ausdruck tiefster Verachtung, jemandem einen Schuh entgegen zu halten oder zu werfen. So protestierten auf dem Tahrir-Platz von Kairo Tausende mit einem Schuh in der Hand gegen das Regime von Präsident Hosni Mubarak, so zeigte ein Iraker dem damaligen US-Präsidenten George W. Bush bei dessen Abschiedsbesuch in Bagdad 2008, was er von ihm hielt, indem er einen Schuh auf ihn schleuderte.
In Oslo hat sich nun ein Mann dieses Mittels bedient, um seiner Verabscheuung für den geständigen Massenmörder Anders Behring Breivik Ausdruck zu verleihen. Während der Verhandlung im Saal 250 des dortigen Bezirksgerichts flog am Freitagvormittag unvermittelt ein Schuh in Richtung des Angeklagten. Er verfehlte Breivik jedoch und traf an seiner statt dessen Anwältin Vibeke Hein Baera, die zwischen dem Angeklagten und dem Publikum saß. Der Werfer des Schuhs habe immer wieder "Du Mörder, fahr' zur Hölle" gerufen, berichteten Augenzeugen.
Einige Anwesende applaudierten, manche begannen zu weinen. Sicherheitsbeamte packten den Mann und führten ihn aus dem Saal, das Verfahren wurde kurz unterbrochen. Er stammt aus dem Irak und verlor bei dem Massaker von Utøya seinen Bruder. Breivik zeigte keine Reaktion, sagte nur nach Wiederaufnahme des Prozesses: "Wenn jemand etwas auf mich werfen will, dann soll er das tun, während ich rein- oder rausgehe - und nicht auf meine Anwältin."
Es war der erste derartige Vorfall, seit das Verfahren am 16. April begonnen hatte. Derzeit geht es vor Gericht in Oslo um den Anschlag von Utøya, von Montag an sollen Überlebende des Massakers ihre Aussage machen. Am 22. Juli erschoss Breivik auf der Ferieninsel 69 Menschen, die meisten von ihnen waren Jugendliche.