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Prozess in Norristown:Bill Cosby vor Gericht: Zeugenaussage unter Tränen

  • 57 Frauen haben Bill Cosby in den vergangenen Jahren beschuldigt, sie sexuell missbraucht zu haben.
  • Seit Montag muss er sich vor einem Bezirksgericht im US-Bundesstaat Pennsylvania verantworten. Ihm drohen zehn Jahre Gefängnis.
  • Verhandelt wird aber nur ein Fall: Andrea Constand, das mutmaßliche Opfer, soll noch in dieser Woche aussagen.
  • Zudem wollte die Staatsanwaltschaft 13 weitere Frauen befragen, Richter O'Neill ließ aber nur eine Zeugin zu. Sie berichtete, dass sie 1996 von Cosby betäubt und missbraucht worden sei.

Wer wissen will, wie tief einer fallen kann, der sollte überprüfen, aus welcher Höhe er nach unten stürzt. Über den Schauspieler Bill Cosby stand am 17. Mai 1987 in der New York Times: "Der einflussreichste Prediger in Amerika ist nicht etwa Jim Bakker oder Jerry Falwell oder John O'Connor. Es ist Bill Cosby. Seine Sendung, 'The Cosby Show', bietet moralische Leitfäden, verkörpert warme Liebe und zeigt ein harmonisches Leben. Macht sie das vielleicht sogar religiös?" Bill Cosby war also mal: ein Vorbild, vielleicht sogar ein Heiliger, auf jeden Fall war er dem Himmel sehr nah.

30 Jahre sind eine kleine Ewigkeit, und wenn die Menschen heute über Bill Cosby sprechen, dann schwingt natürlich die Frage mit, ob er noch immer ein Heiliger ist, dem ein paar Leute aus Habgier und Geltungsdrang übel mitgespielt haben? Die Vorwürfe, die gegen ihn erhoben werden, deuten dagegen auf einen ungebremsten Fall hin: Die damalige Uni-Angestellte Andrea Constand wirft Cosby vor, sie im Jahr 2004 betäubt zu und sexuell missbraucht zu haben. Seit Montag muss er sich vor einem Bezirksgericht im US-Bundesstaat Pennsylvania verantworten.

Prozess gegen Bill Cosby Die lange Liste der Vorwürfe gegen Bill Cosby
Urteil

Die lange Liste der Vorwürfe gegen Bill Cosby

Verurteilt wurde der Entertainer wegen des Übergriffs auf eine Universitätsangestellte im Jahr 2004. Anschuldigungen gegen ihn hat es immer wieder gegeben. Eine Chronologie.

Als Cosby am ersten Verhandlungstag zum Gericht kommt, da geht er nicht, er tapst eher. Er hakt sich bei seiner ehemaligen Filmtochter Keshia Knight Pulliam aus der Cosby-Show und seinen Verteidigern unter, ohne Hilfe wäre er nicht in der Lage, seinen Platz im Gerichtssaal A zu finden. Er ist früh dran, mehr als eine Stunde vor Beginn der ersten Sitzung kommt er an, lange Zeit ist niemand im Saal außer ihm und seinen Anwälten. Er unterhält sich mit seinem Anwalt, lässt sich Akten vorlesen. Er ist seit zwei Jahren blind und schwerhörig, aussagen will er nicht.

Irgendwann, da sitzt Cosby einen Moment lang alleine auf seinem Stuhl. Er wirkt müde. Spätestens in diesem Moment wird einem klar: Bill Cosby, das ist nicht der Typ aus dem Fernsehen. Man kennt diese Figur, gewiss, aber den Menschen, den kennt man nicht.

Es geht bei diesem Prozess nicht nur darum, ob Bill Cosby ins Gefängnis muss, im Falle einer Verurteilung drohen bis zu zehn Jahre Haft. Es geht um die Privilegien von Promis, um Rassismus und Sexismus, um den Einfluss von Medien und sozialen Netzwerken auf eine Gerichtsverhandlung - und damit auch darum, wie unvoreingenommen Geschworene einen Menschen beurteilen können, der so bekannt ist und über den so intensiv berichtet wird wie Cosby. Seine Anwältin Angela Agrusa sagt: "Ich kenne keinen Fall, bei dem die Öffentlichkeit einen Angeklagten derart geschlossen für schuldig hält."

Das mutmaßliche Opfer soll noch in dieser Woche aussagen

Dieser Satz ist bedeutsam, weil er zusammenfasst, was in den vergangenen zwei Jahren passiert ist. Insgesamt 57 Frauen haben Cosby beschuldigt, von ihm missbraucht worden zu sein, es gibt einige Zivilklagen. Bei diesen Verhandlungen geht es jedoch nur um mögliche Geldstrafen, der Strafprozess in Norristown ist der einzige, der Cosby ins Gefängnis bringen könnte. Andrea Constand, das mutmaßliche Opfer, heute 44 Jahre alt, soll noch in dieser Woche aussagen - und sich damit zum ersten Mal seit mehr als zehn Jahren zu diesem Fall äußern.

Freunde bezeichnen sie am Montagmorgen als "ruhig und auch auf knifflige Fragen bestens vorbereitet". Die werden gestellt werden, Bill Cosbys Verteidiger Brian McMonagle gilt als ein Meister der Kunst, Geschworene durch klug formulierte Fragen an die Zeugen zu beeinflussen. Die wichtigsten Fragen dürften lauten: Warum hatte Constand erst ein Jahr nach der vermeintlichen Tat die Polizei kontaktiert? Warum hatte sie sich auch nach der fraglichen Nacht mit Cosby getroffen und ihm sogar Geschenke gemacht? Warum hatte sie einen Zivilprozess angestrengt, der 2006 gegen die Zahlung einer nicht publik gewordenen Summe eingestellt wurde?

Über eben diesen Zivilprozess und seinen Ausgang, das hat Richter Steven O'Neill vor einem Monat entschieden, darf bei dieser Verhandlung nicht gesprochen werden. Zulässig ist allerdings eine Aussage, die Cosby 2005 unter Eid gemacht hatte, der Süddeutschen Zeitung liegt eine Abschrift vor: Cosby gab zu, dass er Constand das Schlafmittel Methaqualon verabreicht und sie danach "an der Stelle, an der man in die Hose gelangt", berührt habe: "Ich habe nicht gehört, dass sie was gesagt hat. Ich habe weitergemacht und bin in diesen Bereich gelangt, der zwischen Erlaubnis und Ablehnung war. Ich wurde nicht aufgehalten." Auf die Frage, ob er sich Methaqualon besorgt habe, um mit jungen Frauen zu schlafen, antwortete Cosby: "Ja."