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Prozess in Missoula:Richter verurteilt Direns Todesschützen zu 70 Jahren Haft

Markus Kaarma waits to be dismissed during an afternoon break in Missoula County Court in Missoula Montana

Der Angeklagte Markus Kaarma vor Gericht. Im April hat er in seiner Garage den Austauschschüler aus Hamburg erschossen.

(Foto: Arthur Mouratidis/Reuters)
  • Bezirksrichter Ed McLean hat das Strafmaß für Markus Kaarma auf 70 Jahre Gefängnis festgelegt.
  • Frühestens nach 20 Jahren käme eine Freilassung auf Bewährung in Frage.
  • Vor knapp zwei Monaten war Markus Kaarma wegen vorsätzlicher Tötung des Hamburger Austauschschülers Diren D. verurteilt worden.

Das Strafmaß im Fall Diren

Für die tödlichen Schüsse auf den Hamburger Austauschschüler Diren D. ist der Hausbesitzer Markus Kaarma aus Montana zu 70 Jahren Gefängnis verurteilt worden. "Sie sind wütend auf die Welt, und das ist offensichtlich an ihrem Verhalten, an der Sprache, die Sie verwenden", sagte Bezirksrichter Ed McLean am Donnerstag in Missoula. "Wir müssen eine Gesellschaft schaffen, in der Menschen wie Sie nicht überreagieren." Der heute 30-Jährige stelle eine zu große Bedrohung dar. Eine Freilassung auf Bewährung komme frühestens nach 20 Jahren in Frage, entschied McLean.

Kaarma erschien in Handschellen und im orangenen Häftlingsanzug zur Verkündung des Strafmaßes. Er wirkte in sich gekehrt, resigniert und entschuldigte sich zuvor in einer kurzen Stellungnahme für seine Tat. "Ich habe getan, was ich für nötig hielt, um meine Familie und mich selbst zu schützen", sagte er. Seine Partnerin und seine Mutter hatten den Richter vor der Verkündung des Strafmaßes mit emotionalen Bemerkungen um Milde gebeten. Der Richter lehnte einen Antrag der Verteidigung auf ein neues Verfahren ab. Nach Ansicht von Kaarmas Anwälte habe die Berichterstattung der Medien die Geschworenen beeinflusst.

Vor knapp zwei Monaten war der Todesschütze von Missoula im US-Bundesstaat Montana wegen vorsätzlicher Tötung des Hamburger Austauschschülers Diren D. verurteilt worden. Das Gesetz sieht dafür je nach Schwere der Tat eine Gefängnisstrafe von bis zu 100 Jahren vor. Kaarma hatte den Schüler im April 2014 erschossen, nachdem dieser nachts in seine Garage eingedrungen war.

Direns Vater unglücklich

Der Vater Direns hat mit gemischten Gefühlen auf das Urteil gegen Kaarma reagiert. "Ich bin nicht glücklich. Er lebt. Er geht ins Gefängnis, aber er lebt. Mein Sohn ist tot." Natürlich sei er froh, dass das Gerichtsverfahren jetzt überstanden sei. "Wir müssen nach Hause gehen und weitermachen", sagte Direns Vater: "Das Leben in der Zukunft ist entzwei."

Kurz vor der Verkündung des Strafmaßes hatte sich der Vater versöhnlich mit der Gemeinde Missoula gezeigt. Viele Bewohner der Kleinstadt hätten ihm auf der Straße ihr Mitgefühl ausgedrückt. "Die Menschen stehen hinter mir und Diren." Und: "Ich vertraue dem Richter, dass er ein gerechtes Strafmaß hervorbringen wird", sagte er.

Diren Todesschütze schuldig gesprochen

Diren-Prozess

Todesschütze schuldig gesprochen

Die Geschworenen glaubten seiner Notwehr-Version nicht: Der Angeklagte im Prozess um den getöteten deutschen Austauschschüler Diren D. ist wegen vorsätzlicher Tötung schuldig gesprochen worden. Ihm drohen mindestens zehn Jahre Haft.

Schwester sei Strafmaß nicht so wichtig

"Meine Mama hat geweint", sagte Direns Schwester. Die Familie sei von dem Strafmaß von 70 Jahren überrascht. "Damit haben wir nicht gerechnet. Ich hoffe, dass meine Familie jetzt zur Ruhe kommt", sagte die 23-Jährige: "Für meine Mama ist wichtig, dass der Täter im Gefängnis sitzt." Ihr selbst sei das Strafmaß nicht so wichtig. "Ob 10, 20 oder 70 Jahre, das bringt mir meinen Bruder nicht zurück."

Wie der Prozess abgelaufen ist

Die Geschworenen waren im Dezember der Anklage gefolgt, die Markus Kaarma vorwarf, Diren in eine Falle gelockt und kaltblütig hingerichtet zu haben. Die Staatsanwältin hatte vor Gericht geschildert, wie der Angeklagte in einem Friseursalon angekündigt hatte, er werde die Jugendlichen, die Gegenstände aus seiner Garage gestohlen hatten, umbringen. "Er sagte, er habe seit drei Nächten auf der Lauer gelegen. Er sagte, er wolle die verdammten Kids töten."

Dagegen hatte die Verteidigung auf Notwehr plädiert. Kaarma habe nach zwei vorherigen Einbrüchen Angst gehabt.