Prozess in Hamburg:"Das war keine Vergewaltigung, das war 'ne Party"

Prozessauftakt wegen sexuellen Missbrauchs einer 14-Jährigen

Zwei der Angeklagten und ihre gesetzlichen Vertreter sitzen am 25.08.2016 in Hamburg im Landgericht.

(Foto: Daniel Bockwoldt/dpa)
  • Vier Jugendliche und ein junger Erwachsener müssen sich in Hamburg vor Gericht verantworten. Ihnen wird vorgeworfen, eine 14-Jährige vergewaltigt zu haben.
  • Die Angeklagten haben einen umfangreichen Anhang aus ihrer Familie mitgebracht, manche Begleiter jubeln ihnen zu.
  • "Das war keine Vergewaltigung, das war 'ne Party", sagt einer der Angehörigen der Verdächtigten. "Da wurde gefeiert und gesoffen. Es gab Sex."

Von Peter Burghardt, Hamburg

Am Wintermorgen des 11. Februar lag ein junges Mädchen missbraucht, betrunken, halb nackt, unterkühlt und fast besinnungslos auf einem Bettlaken in einem Hamburger Hinterhof. Nachbarn in dem Harburger Haus hörten ihre Schreie und verständigten gegen sieben Uhr die Polizei, die Außentemperatur übertraf nur knapp den Gefrierpunkt.

Die Körpertemperatur der 14-Jährigen war auf 35,4 Grad gesunken, ein Bluttest ergab 1,9 Promille. Mit Hypothermie und Schürfwunden wurde sie in die Intensivstation einer Klinik gebracht, Untersuchung und Befragung förderten noch Schlimmeres zutage: Die Schülerin war mehrfach vergewaltigt worden. Später tauchte sogar ein Video des Verbrechens auf.

Goldkette, Tattoos, Siegerposen - von Reue keine Spur

Gut sechs Monate danach sitzen vier Jugendliche und ein junger Erwachsener vor der Jugendstrafkammer des Landgerichts Hamburg, ihnen wird seit diesem Donnerstag der Prozess gemacht. Die Staatsanwaltschaft wirft den vier jungen Männern im Alter von 14, 16, 17 und 21 Jahren vor, ihr 14 Jahre altes Opfer in einer Wohnung mit Alkohol widerstandslos gemacht, sich mehrfach an ihr vergangen und sie am Ende trotz der Kälte kaum bekleidet im Freien zurückgelassen zu haben. Es geht unter anderem um schweren sexuellen Missbrauch. Einer 15-Jährigen, die ebenfalls vor den Richtern Platz nimmt, wird Beihilfe zur Last gelegt. Auch soll sie Teile der Tat mit ihrem Handy gefilmt haben.

Ehe die abscheulichen Details publik gemacht werden, spielt sich in dem Gerichtsgebäude erst mal ein Spektakel ab. Die Angeklagten haben einen umfangreichen Anhang aus ihrer Familie mitgebracht, manche Begleiter jubeln ihnen zu, mit Goldkette, Tattoos und Siegerposen. Vor allem der älteste Beschuldigte betritt den Saal 337 betont breitbeinig, die Jüngeren grinsen und grüßen irgendwie cool oder pubertär. Sie tragen Trainingsanzüge oder Sweatshirts und anrasierte Frisuren, die ebenfalls beschuldigte 15-Jährige hat glattes, langes Haar. "Das sind doch Kinder, meine Güte", murmelt eine Frau im Zuschauerraum.

Grausame Details in der öffentlich verlesenen Anklage

Dem Antrag der Verteidiger, das Publikum inklusive der Berichterstatter zum Schutz der Betroffenen von der Verhandlung auszuschließen, gibt das Gericht nur teilweise statt. Zumindest die Anklage wird öffentlich verlesen - das öffentliche Interesse an dem Fall sei zu groß. So skizziert ein Staatsanwalt, was sich in jenen Stunden vor mehr als einem halben Jahr zugetragen haben soll.

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