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Prozess in Fulda:Tödlicher Hinterhalt beim Autokauf

Er wollte ein Auto kaufen, stattdessen traf er in einer Fuldaer Seitengasse seinen Mörder. In Fulda stehen nun ein 39-jähriger Mann und seine Lebensgefährtin vor Gericht; der Prozess beginnt mit einer tragischen Szene.

Die Frau weint, als sie dem mutmaßlichen Mörder ihres Sohnes ein Bild des 17-jährigen Lorenzo entgegenhält. "Das hast du kaputtgemacht, die ganze Familie hast du kaputtgemacht", schreit sie den Angeklagten an. Der 39-Jährige zeigt keine Regung. Im Landgericht Fulda sitzt er auf der Anklagebank, der Vorwurf: Mord. Am Dienstag wurde der Prozess unter starken Sicherheitsvorkehrungen und großem Interesse der Öffentlichkeit eröffnet.

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Unter hohen Sicherheitsvorkehrungen hat der Prozess gegen einen mutmaßlichen Mörder in Fulda begonnen.

(Foto: dapd)

Der Angeklagte soll den Jugendlichen erschossen haben, als der von ihm ein Auto kaufen wollte. Die Staatsanwaltschaft wirft dem arbeitslosen Mann aus Grünberg bei Gießen unter anderem heimtückischen Mord aus Habgier und versuchte schwere räuberische Erpressung vor. Er soll sein Opfer und dessen 19-jährigen Schwager am 11. Februar in einen Hinterhalt gelockt haben. Laut Staatsanwaltschaft hatte der Angeklagte einen Autoverkauf vorgetäuscht und die beiden Kaufinteressenten vom Bahnhof in Fulda aus in eine abgelegene Gasse gelockt.

Dort fielen die tödlichen Schüsse. Der Schwager des Toten konnte jedoch unverletzt flüchten und von einer nahegelegenen Tankstelle die Polizei alarmieren. Er hatte großes Glück: Der Täter schoss laut Anklage auch in seine Richtung, erwischte allerdings nur die Hose des jungen Mannes. Offenbar hatte es der Angeklagte auf die verabredete Kaufsumme von 15.000 Euro in bar abgesehen. Der getötete 17-Jährige hinterlässt eine junge Frau und eine Tochter.

Die Lebensgefährtin des mutmaßlichen Schützen sitzt ebenfalls auf der Anklagebank. Sie soll von dem Betrugsversuch gewusst und dem Angeklagten geholfen haben. Allerdings habe sie nicht gewusst, dass ihr Lebensgefährte eine Waffe dabei hatte, sagte Staatsanwältin Christina Dern.

Bereits drei Tage nach der Tat konnten die Ermittler den mutmaßlichen Täter fassen. Zum Prozessauftakt wollte er sich nicht äußern. Der Prozess wird am 25. August fortgesetzt, das Urteil wird im Oktober erwartet.

© sueddeutsche.de/dpa/leja/holz
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