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Prozess in Frankfurt:Schwerverbrecher legt umfassendes Geständnis ab

Er war der meistgesuchte Verbrecher der Bundesrepublik, soll Banken überfallen, erpresst und einen Linienbus entführt haben. Jetzt hat er vor dem Frankfurter Landgericht ein umfassendes Geständnis abgelegt.

Im Februar gelang es Polizisten endlich, ihn zu fassen. Bis dahin galt Thomas F. als meistgesuchter Verbrecher in Deutschland. Am zweiten Verhandlungstag im Prozess vor dem Landgericht Frankfurt hat er jetzt ein umfassendes Geständnis abgelegt.

Der 47-Jährige berichtete ausführlich, wie ihn Geldnot, Alkohol- und Spielsucht dazu getrieben hätten, quer durch die Republik Raubüberfälle zu begehen. Dabei bedrohte er seine Opfer stets mit einer Schreckschusswaffe.

"Ich hatte die Perspektive verloren, es ging alles bergab", sagte der Mann vor Gericht. Die Objekte habe er dabei nur zufällig ausgewählt. "Ich habe einfach von einem Tag in den anderen gelebt."

Dem Angeklagten werden 19 schwere Straftaten zur Last gelegt, darunter die Entführung eines Linienbusses mit acht Fahrgästen im Dezember 2011 im hessischen Kronberg.

Bereits Anfang der 1990er Jahre hatte der Krefelder acht Banken überfallen und war dafür 2001 zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Nach seiner Freilassung 2008 arbeitete der gelernte Elektroinstallateur zunächst in einer Estrichfirma. Doch aufgrund seiner Spiel- und Alkoholsucht geriet F. nach eigenen Angaben Anfang 2011 in akute Geldnot und beschloss daher, wieder eine Bank zu überfallen.

Zwei gescheiterte Festnahmen

Nachdem er bei dem Überfall auf eine Sparkasse in Krefeld im August 2011 seine Maskierung verloren hatte und erkannt worden war, floh er. Bei seinen Streifzügen quer durch Deutschland überfiel er Kioske, Tankstellen und Geschäfte und raubte immer wieder Fluchtfahrzeuge. Nach zwei gescheiterten Festnahmeversuchen im hessischen Kronberg und in Aachen gelang es der Polizei erst im Februar dieses Jahres im schleswig-holsteinischen Ratzeburg, F. festzunehmen.

In dem Prozess vor dem Frankfurter Landgericht soll ein Gutachter klären, ob sich die Spiel- und Alkoholsucht des 47-Jährigen strafmildernd auswirken könnte. Ein Urteil wird Ende Oktober erwartet.

© Süddeutsche.de/dapd/dpa/leja/olkl
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