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Prozess in Berlin:Selbstjustiz gegen Ladendieb - Edeka-Fililalleiter zu Haftstrafe verurteilt

Supermarkt-Filialleiter vor Gericht

Der Supermarkt-Filialleiter André S. steht im Berliner Landgericht neben seiner Verteidigerin.

(Foto: Paul Zinken/dpa)

Statt die Polizei zu rufen, führte er einen Dieb in den Hinterraum und schlug mehrmals mit speziellen Handschuhen auf ihn ein.

Ein Mann versucht, in einer Berliner Edeka-Filiale eine Flasche Schnaps zu klauen und wird dabei erwischt. Doch anstatt die Polizei zu rufen, fügt der Filialleiter André S. dem 34-Jährigen schwere Kopf- und Gesichtsverletzungen zu. Das Opfer geht zwei Tage später zum Arzt, der ihn ins Krankenhaus schickt. Einen Tag später stirbt der Mann an den Folgen eines Schädel-Hirn-Traumas. Das Landgericht Berlin hat den Filialleiter nun wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu drei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt.

S. hatte eingeräumt, das Opfer mit einem Quarzsandhandschuh ins Gesicht geschlagen zu haben. Er hatte ihn dafür in einen Hinterraum des Supermarkts geführt. Quarzhandschuhe verstärken die Wirkung eines Faustschlags, sie sind an den Knöcheln und am Handrücken mit Quarzsand versehen.

Während des Prozesses galt es zu klären, ob der Schlag des Angeklagten die Ursache für den Tod des Opfers war. Die Verteidigerin von S. hatte gesagt, dass dies nicht sicher festzustellen sei. Das Gericht kam nun zu dem Urteil, dass die Gewalttat mitursächlich war.

Erst durch den Tod des Opfers im Krankenhaus war die Polizei über den Vorfall informiert worden, der sich im September vergangenen Jahres ereignet hatte. Daraufhin war der Supermarkt durchsucht und der Filialleiter festgenommen worden.

© SZ.de/dpa/vbol

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