Der Berliner Rapper Fler, der bürgerlich Patrick Losensky heißt, hat sich vor Gericht nicht zu den ihm vorgeworfenen Straftaten geäußert. Zuvor hatte die Staatsanwältin am Mittwoch zu Verhandlungsbeginn vor dem Amtsgericht Berlin-Tiergarten acht Anklagen verlesen. Die Vorwürfe lauten auf Beleidigung, versuchte Nötigung, Fahren ohne Fahrerlaubnis, Sachbeschädigung, verbotene Mitteilungen über Gerichtsverhandlungen. Der Verteidiger des 38-Jährigen erklärte, es gehe lediglich um Delikte im Bagatellbereich. Ein "erheblicher Teil der Tatvorwürfe" sei "unzutreffend, verfälscht oder aus dem Kontext gerissen". Beleidigungen seien im Rapper-Milieu üblich und auch Ausdruck der künstlerischen Freiheit.
Die Staatsanwaltschaft wirft Fler unter anderem vor, eine Nachbarin im Juli 2018 mehrfach mit heftigen Worten angegangen zu haben. Der Rapper habe außerdem Polizeibeamte "minutenlang beschimpft" und einem Journalisten gedroht. Ebenfalls Gegenstand des Prozesses ist die schon seit Jahren andauernde Fehde zwischen den beiden Rapper-Konkurrenten Fler und Bushido. Auf einem Videoportal im Internet soll Fler im März dieses Jahres Bushido als "Bastard" und "ekeligen Hund" bezeichnet haben. Auch die Ehefrau von Bushido sei beleidigt worden, so die Staatsanwaltschaft. Bushido soll im Dezember als Zeuge im Prozess gegen Fler aussagen. Seit Wochen ist Bushido zudem auch Zeuge im Prozess gegen seinen ehemaligen Geschäftspartner, Arafat Abou-Chaker.
Flers Anwälte sehen die Anschuldigungen der Staatsanwaltschaft als Schikane. Ihr Mandant sei nicht in den Fokus der Polizei geraten, weil er ein Rüpel mit schlechten Manieren sei. "Offensichtlich soll gegenüber Herrn Losensky - stellvertretend für eine mutmaßliche sogenannte Clankriminalität - "ein Zeichen gesetzt" werden." Der Prozess wird am 25. November fortgesetzt.
