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Prozess gegen Norwegen-Attentäter:Gericht ordnet neues Gutachten über Breivik an

Der Befund ist nicht nur bei Opfern und Hinterbliebenen höchst umstritten: Anders Behring Breivik ist unzurechnungsfähig - zu diesem Urteil kamen im November zwei Rechtspsychiater, die den norwegischen Massenmörder befragt hatten. Nun hat ein Gericht in Oslo ein zweites psychiatrisches Gutachten angeordnet.

Neue Hoffnung für Opfer und Hinterbliebene: Ein Osloer Gericht will den norwegischen Attentäter Anders Behring Breivik abermals einer psychiatrischen Begutachtung unterziehen. Ein erstes Gutachten hatte dem 77-fachen Mörder eine schwere psychische Störung attestiert und ihn für schuldunfähig erklärt.

Für die Opfer und Hinterbliebenen der Anschläge vom vergangenen Juli war der Befund der Rechtspsychiater Synne Sørheim und Torgeir Husby ein Schlag ins Gesicht. Der Mann, der erst im Stadtzentrum von Oslo eine Bombe gezündet und anschließend in einem Jugendcamp auf der Insel Utøya ein Blutbad angerichtet hatte, leide unter paranoider Schizophrenie und sei deshalb schuldunfähig, befanden die Gutachter im November. Ihr Diagnose gründete auf 13 Gesprächen, die Sørheim und Husby mit dem Massenmörder geführt hatten.

Neues Gutachten soll Zweifel ausräumen

Die Anwälte der Geschädigten forderten umgehend ein neues Gutachten: Sie machten geltend, dass Breiviks Vorgehen insbesondere während des Massakers auf Utøya methodisch und rational gewesen sei. Auch in Fachkreisen wurde der Befund kontrovers diskutiert. Verstärkt wurden die Zweifel an der Richtigkeit der Diagnose, als Anfang Januar bekannt wurde, dass Mitarbeiter des Gefängnissen Ila Breiviks Gesundheitszustand als stabil eingestuft hatten.

Der Untersuchungshäftling sei bei guter Gesundheit, er wirke nicht depressiv, nichts deute auf eine Psychose hin, notierten die Fachleute - drei Psychologen und ein Psychiater - ein ums andere Mal. Es bestehe weder Suizidgefahr noch Bedarf für irgendeine Art von Behandlung.

Auch Breivik selbst hatte sich gegen das Gutachten verwehrt. Über seinen Anwalt ließ der Attentäter verlauten, die Expertise enthalte "Fehler" und "Lügen".

Angesichts der weitverbreiteten Kritik an der ersten Untersuchung und der Schwere von Breiviks Taten sei eine neue Begutachtung seiner Schuldfähigkeit angebracht, sagte Richterin Wenche Elizabeth Arntzen nun in Oslo. Das Gericht beauftragte demnach zwei neue Experten, den Geisteszustand des 32-jährigen Rechtsextremen zu untersuchen.

Sollte sich die erste Diagnose bestätigen, könnte Breivik um eine Gefängnisstrafe herumkommen: Der Attentäter würde dann wahrscheinlich in eine geschlossene psychiatrische Klinik eingewiesen werden. Der Prozess gegen den 32-Jährigen soll im April beginnen.