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Prozess gegen Ehepaar aus Haßmersheim:Junge Würzburgerin monatelang wie "Leibeigene" gehalten

Schläge und sexuelle Übergriffe waren an der Tagesordnung: Ein Ehepaar aus dem baden-württembergischen Haßmersheim steht unter anderem wegen Geiselnahme einer 21-Jährigen vor Gericht. Um die junge Frau an der Flucht zu hindern, soll der Angeklagte ihr mit einem grausigen Tod gedroht haben.

Mit gesenktem Kopf lässt die junge Frau das Blitzlichtgewitter der Fotografen im Saal 101 des Landgerichts Mosbach über sich ergehen. Ihre mutmaßlichen Peiniger würdigt sie keines Blickes. Etwa neun Monate soll ein Paar aus Haßmersheim (Neckar-Odenwaldkreis) die heute 21-Jährige misshandelt und als Haussklavin gehalten haben. Todesdrohungen, Schläge und sexuelle Übergriffe waren dabei an der Tagesordnung.

Haussklaven-Fall

In diesem Haus im baden-württembergischen Haßmersheim hat ein Ehepaar eine junge Frau über Monate hinweg wie eine Leibeigene gehalten.

(Foto: dpa)

Von diesem Donnerstag an muss sich das mutmaßlich verantwortliche Ehepaar - ein 51 Jahre alter Mann und seine 46-jährige Ehefrau - nun vor Gericht verantworten. Die Beschuldigten verbergen ihre Gesichter hinter Aktendeckeln, als sie den Verhandlungssaal betreten. Die beiden hätten die junge Frau wie eine Leibeigene behandelt und durch "ein Herrschafts- und Gewaltverhältnis" eingeschüchtert, um ihre Flucht zu verhindern, sagte Staatsanwältin Michaela Molnar zum Prozessauftakt.

Paar bestreitet Vorwürfe

Das arbeitslosen Angeklagten müssen sich wegen gemeinschaftlicher Geiselnahme sowie gefährlicher Körperverletzung beziehungsweise Beihilfe verantworten. Dem Mann wird zudem sexuelle Nötigung zur Last gelegt. Zu den Vorwürfen sollen die beiden erst am zweiten Prozesstag am kommenden Montag Stellung nehmen. Dem Staatsanwaltschaft zufolge hat das Paar die Vorwürfe bei seinen Vernehmungen bestritten.

Die junge Frau - eine Internetbekanntschaft des Sohnes - war im März 2010 freiwillig zu der Familie gezogen. Spätestens im September habe das Paar den Beschluss gefasst, sie so einzuschüchtern, dass sie nicht fliehen würde, erläuterte Staatsanwältin Molnar. Der Angeklagte habe seine sadistischen Neigungen an der heute 21-Jährigen ausleben können. Er soll die junge Frau geschlagen, sexuell genötigt und gedroht haben, ihr bei Fluchtversuchen den Kopf abzuschneiden.

Nach dem Umzug der Familie von Eppingen (Kreis Heilbronn) nach Haßmersheim im vergangenen Winter soll es fast täglich zu Übergriffen gekommen sein. Die Ehefrau hat die Gewalt laut Anklage billigend in Kauf genommen - auch, um nicht allein den Angriffen ihres Mannes ausgesetzt zu sein.

Die junge Frau, die als Nebenklägerin vor Gericht auftritt, durfte das Haus demnach nur in Begleitung von Familienmitgliedern verlassen. Ein Polizist sagte vor Gericht aus, Nachbarn hätten berichtet, die junge Frau habe einen ungepflegten und traurigen Eindruck gemacht. Im Juni schließlich gelang der Frau die Flucht.

Die Ermittlungen gegen den 15-jährigen Sohn der Familie wurden eingestellt, da ihm laut Staatsanwaltschaft kein ausreichender Verdacht nachgewiesen werden konnte. Der Prozess wurde am Donnerstag nach etwa zwei Stunden beendet. Das Verfahren soll am kommenden Montag fortgesetzt werden. Insgesamt sind vier Verhandlungstage angesetzt. 13 Zeugen sollen gehört werden.

Das Paar war bereits 2002 wegen der Misshandlung einer Verwandten vom Landgericht Heidelberg verurteilt worden. Beide hatten demnach die damals minderjährige Schwester der Frau mehrfach schwer mit einer Eisenstange und einer Kette verletzt.