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Proteste von Migranten:Italienische Kleinstadt verbietet Döner

Cittadella macht Ernst. Der Rat der venetischen Kleinstadt hat beschlossen, keinen Döner-Kebab-Laden mehr zu genehmigen. Begründung des Bürgermeisters von der rechtspopulistischen Lega Nord: Der Fleischspieß sei nicht italienisch genug - außerdem rieche und schmecke er nicht gut und sei schlecht zu essen.

Der Bürgermeister der italienischen Stadt Cittadella hat den Verkauf von Kebab-Sandwiches untersagen lassen. "Dieses Essen ist bestimmt nicht Teil unserer Tradition und unserer Identität", sagte Massimo Bitonci - er gehört zu rechtspopulistischen Partei Lega Nord, die auch gegen Einwanderung kämpft.

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Ein Vergnügen, dass es in der Innenstadt von Cittadella bald nicht mehr geben wird: Den ersten Biss in einen Döner-Kebab.

(Foto: ag.dpa)

Der Rat der mittelalterlichen Stadt hat eine Verordnung verabschiedet, der zufolge keine Lizenzen mehr zum Kebabverkauf vergeben werden. Er will den Kebab, der aus der türkischen und arabischen Küche bekannt ist, damit aus der Innenstadt von Cittadella verbannen. "Wenn jemand einen Kebab essen will, kann er das zu Hause oder außerhalb des historischen Zentrums machen", sagte Bürgermeister Bitonci. Er begründete das Verkaufsverbot zusätzlich mit Gründen des Gesundheitsschutzes - so stünden die fertigen Mahlzeiten lange offen herum -, des Geruchs und der Art, wie das Gericht verzehrt werde.

"Wie Pizza-Verbot in Paris oder New York"

Das Verbot stößt nun auf heftige Kritik der Migranten: "Kebabs in Cittadella zu verbieten, ist wie ein Pizzaverbot in Paris oder New York", sagte Abdallah Khezraji von der für die Region Venetien zuständigen Einwanderungsbehörde. "Venetien ist im Wandel und bei 600.000 Immigranten kann der Bürgermeister eigentlich nicht ausgerechnet die Sachen verbieten, die die Leute mögen", sagte er der Nachrichtenagentur Ansa.

Bitonci machte schon vor zwei Jahren von sich Reden, weil er gegen Bettler und Straßenhändler vorging oder Parkverbote für Wohnwagen erließ, um Urlauber aus der Stadt fernzuhalten. Er forderte auch, Jugendliche zum Zwangsdienst zu verpflichten, wenn sie mit weniger als 16 Jahren beim Alkoholtrinken erwischt würden.

© dpa/AFP/moe/plö
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