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Proteste nach Attentat von Charleston:Tausende protestieren gegen Südstaaten-Flagge

Demonstrators take part in the 'March for Black Lives' in Charleston

Symbol des Protests: Fest von einer schwarzen Hand umschlossen wird die Südstaaten-Flagge auf einem Banner eines Demonstranten in Charleston.

(Foto: REUTERS)
  • Nach den Morden an neun Schwarzen in einer Kirche in Charleston streiten die US-Bürger über die alte Flagge der Konföderierten.
  • Obwohl sie als Symbol des Rassismus kritisiert wird, ist die Flagge im Süden der Vereinigten Staaten noch vielerorts zu sehen - auch vor dem Parlament in Columbia, South Carolina.
  • Demonstranten forderten, die Flagge vor dem Regierungssitz abzuhängen. Auch Republikaner Mitt Romney plädierte dafür. US-Präsident Obama sagte, die Flagge gehöre in ein Museum.

Attentat von Charleston löst Protest gegen Flagge aus

Nach der offenkundig rassistischen Bluttat in einer Kirche in Charleston ist in den USA ein Streit über die Südstaaten-Flagge entbrannt. Tausende Demonstranten - weiße und schwarze - forderten am Wochenende vor dem Parlament von South Carolina, die alte Flagge der Konföderierten des Bürgerkriegs als Symbol für Sklaverei und Unterdrückung abzuhängen.

"Wir können uns nicht länger leisten, diese Flagge hier stehen zu lassen", sagte die 95-jährige Aktivistin Sarah Leverette. Die Fahne sei ein Leuchtsignal für diejenigen, "die bösen Überzeugungen verhaftet" blieben - so wird sie etwa vom rassistischen Ku-Klux-Klan genutzt. Auch der Täter von Charleston soll sich auf Bildern im Internet mit der Flagge gezeigt haben, nach Darstellung der Polizei äußerte er sich vor der Bluttat rassistisch.

370 000 Menschen hatten bis Samstagabend (Ortszeit) ihren Namen unter eine Onlinepetition gegen die Flagge gesetzt.

Als Reaktion auf das Attentat waren die US-Flagge und die Flagge des Staates South Carolina vor dem Parlament in Columbia auf Halbmast gesetzt worden - nicht aber die rote Südstaaten-Flagge mit dem blauen Sternenkreuz. Dazu hätte das Parlament von South Carolina seine Zustimmung geben müssen, lautete die offizielle Begründung.

Politiker und Aktivisten fordern Entfernung der Flagge

Barack Obama hat sich gegen die Nutzung der Flagge ausgesprochen. Der US-Präsident sagte dem Guardian zufolge, dass die Flagge in ein Museum gehöre.

Der republikanische Präsidentschaftskandidat von 2012, Mitt Romney, forderte, die Flagge der Konföderierten ab sofort nicht mehr vor dem Regierungssitz von South Carolina zu zeigen. Viele sähen sie als Symbol des Rassismus, schrieb er auf Twitter. "Zieht sie ein, um die Opfer von Charleston zu ehren."

Dem Guardian zufolge hat der republikanische Abgeordnete Norman "Doug" Brannon für Dezember einen Gesetzentwurf angekündigt, der das umstrittene Symbol verbietet. Brannon war von dem Attentat indirekt betroffen - ein Freund war unter den Opfern.

Die derzeitigen republikanischen Präsidentschaftsbewerber halten sich in der Debatte hingegen zurück. Senator Ted Cruz aus Texas sagte der Nachrichtenagentur AP, das Letzte, was die Menschen in South Carolina jetzt bräuchten, seien Leute von außerhalb, die Lösungen diktierten. Er verstehe beide Seiten, sagte Cruz: jene, die die Flagge als Symbol des Rassismus sähen, und jene, die sich der Opfer ihrer Vorfahren der Traditionen ihrer Staaten erinnern wollten.

Die Geschichte der Flagge

Die Flagge zeigt auf rotem Grund ein blaues Kreuz mit 13 Sternen für die Staaten, die sich im 19. Jahrhundert im Streit über die Sklaverei abspalten wollten und im amerikanischen Bürgerkrieg von 1861 bis 1865 gegen die Zentralregierung in Washington kämpften. South Carolina war der letzte Staat, der das Symbol noch auf der Kuppel seines Parlamentsgebäudes aufzog. Im Jahr 2000 wurde der neun Meter hohe Flaggenmast allerdings versetzt und steht nun nur noch in der Nähe des Regierungssitzes.

Die afroamerikanische Kirche in South Carolina, in der das Massaker stattfand, soll der BBC zufolge am heutigen Sonntag wiedereröffnet werden. Am Samstag versammelten sich viele Menschen vor der historischen Kirche, um Reden von Geistlichen aus den ganzen USA zu hören.

© ap/afp/frdu/sks
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