bedeckt München 18°
vgwortpixel

Proteste in Brasilien:Papst eröffnet Weltjugendtag

Papst in Brasilien

Unter deinem Schutz und Schirm: Das Wetter sorgt beim Papst-Auftritt in Brasilien für Schwierigkeiten.

(Foto: AFP)

Vor Hunderttausenden Pilgern ruft Franziskus zu einer Abkehr vom Konsum und einer Hinwendung zu Gott auf. Während der Papst bei seinem offiziellen Auftritt beim Weltjugendtag bejubelt wird, gehen die Menschen in Brasilien weiterhin gegen soziale Missstände auf die Straße.

Die katholische Jugend der Welt hat Papst Franziskus in Rio de Janeiro einen jubelnden Empfang bereitet. Hunderttausende junge Leute begrüßten das Kirchenoberhaupt am Donnerstagabend brasilianischer Zeit am Copacabana-Strand. Trotz regnerischen Wetters und kühler Temperaturen waren die Jugendlichen singend und mit Fahnen ihrer Heimatländer an die Copacabana geströmt, wo der Papst auf einer riesigen Bühne das erste Mal seit seinem Eintreffen in Rio am Montag offiziell zu den Weltjugendtags-Pilgern sprach.

Entlang dem Strand waren auf einer Länge von etwa einem Kilometer große Monitore und Lautsprecher installiert, um die Papst-Ansprache zu übertragen. Zahlreiche Fahnen wurden in der Menge geschwenkt, darunter auch deutsche. Die jungen Katholiken hießen den Papst bei der ersten offiziellen Begegnung des Weltjugendtages mit "Viva Papa"-Rufen willkommen, Franziskus unterbrach immer wieder seine Fahrt zur Altarbühne am Strand.

Franziskus, der als "Papst der Armen" gefeiert wird, rief die Kirchenjugend zur Abkehr vom Konsum auf und empfahl den Glauben als Kompass zum Glück. Sein eigenes Herz sei "voller Freude", sagte er vor den Gläubigen. Franziskus warb darum, Gott wieder ins Zentrum des Lebens zu stellen. "Wir sind versucht, uns selbst in den Mittelpunkt des Lebens zu stellen, zu glauben, dass es an uns allein liegt, unser Leben aufzubauen, oder dass Besitz, Geld, Macht es glücklich machen. Aber das ist nicht so", sagte das katholische Kirchenoberhaupt.

Materielle Güter könnten zwar einen Augenblick des Rausches und die Illusion von Glücklichsein bieten. Doch am Ende seien es genau diese Dinge, die Besitz vom Menschen ergriffen und sie drängten, immer mehr zu wollen. Er mahnte die "jungen Freunde", Christus in ihr Leben zu lassen. Der Glaube bewirke im Leben eine Revolution, "denn er rückt uns aus dem Mittelpunkt heraus und stellt Gott wieder in die Mitte".

Papst spricht das erste Mal beim Weltjugendtag zu Pilgern

Vor seinem Auftritt an der Copacabana hatte Franziskus eine Armensiedlung in Rio besucht und die Menschen aufgerufen, sich für soziale Gerechtigkeit einzusetzen. "Werdet nicht müde, für eine gerechtere und solidarischere Welt zu arbeiten", rief er vor den Bewohnern der Favela Varginha aus. Die Siedlung mit etwa 1200 Einwohnern war lange wegen Drogenhandels und Gewalt berüchtigt.

Am heutigen Freitag ist ein gemeinsamer Kreuzweg des Papst mit den Pilgern an der Copacabana geplant. Die einzelnen Stationen erinnern an den Leidensweg Jesu und wurden auf der zentralen Avenida Atlântica nachempfunden. Zuvor will sich der Papst mit jugendlichen Straftätern treffen und von dem Mittelbalkon des Erzbischofspalasts St. Joaquim das traditionelle Angelus-Gebet sprechen. 1,5 Millionen Menschen aus der ganzen Welt haben sich zum 28. Weltjugendtag nach Brasilien auf den Weg gemacht, darunter etwa 2000 aus Deutschland.

Die Abschlussmesse des Weltjugendtages am Sonntag wurde kurzfristig von Guaratiba, etwa 70 Kilometer westlich von Rio, direkt an die Copacabana verlegt. Grund für die Verlegung ist der tagelange heftige Regen, der das 1,3 Millionen Quadratmeter große "Campus Fidei"-Gelände (Glaubensfeld) westlich von Rio komplett aufweichte.

Das Großereignis fällt in eine Zeit der sozialen Unruhen in Brasilien. Seit Monaten gehen immer wieder Menschen auf die Straße und protestieren gegen Korruption, hohe Lebenshaltungskosten und die öffentlichen Milliardenausgaben für Großveranstaltungen wie die Fußballweltmeisterschaft im kommenden Jahr.

Auch am Donnerstag, während der Papst am Strand sprach, demonstrierten etwa 500 Menschen vor dem luxuriösen Haus des Gouverneurs von Rio gegen Korruption. In der gesamten Woche des Papstbesuchs kam es immer wieder zu Demonstrationen und gewaltsamen Ausschreitungen.

© dpa/AFP/sebi/gal
Zur SZ-Startseite