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Proteste im Vorort von St. Louis:53 Polizeibeamte - drei davon sind Afroamerikaner

Beim Blick auf Los Angeles etwa wird deutlich: An der Küste wohnen die Weißen, Afroamerikaner bewohnen die Gegend südlich von Downtown, die Hispanics befinden sich im Osten und die Menschen asiatischer Herkunft im Nordosten der Stadt. Auch in St. Louis ist eine klare Trennung festzustellen. Die Weißen wohnen im Süden, die Schwarzen im Norden. Die Stadt gilt nach dieser Studie als jene mit der sechststärksten Rassentrennung in den Vereinigten Staaten. Logan und Stults haben bei ihrer Studie den so genannten "Dissimilarity Index" eingeführt. Er besagt, welcher Prozentsatz der Bevölkerung einer Gegend umziehen müsste, um Rassentrennung komplett zu eliminieren - jeder Wert über 60 gilt als extrem. Der "Dissimilarity Index" in St. Louis: 69,2.

Ferguson befindet sich im Norden der Stadt, etwa 15 Kilometer von Downtown entfernt - es gilt offiziell als Vorort von St. Louis, was daran liegt, dass die Grenzen schärfer gezogen werden als in anderen amerikanischen Städten. In Philadelphia etwa würde ein Ort wie Ferguson zum Stadtgebiet gerechnet werden, in St. Louis gilt er als eigene Gemeinde. Zwei Drittel der 21.000 Einwohner von Ferguson sind Afroamerikaner, das mittlere Einkommen liegt bei 37.000 US-Dollar pro Jahr. Das sind 10.000 Dollar weniger als der Mittelwert im Bundesstaat Missouri. Etwa 20 Prozent der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze.

Flucht von Menschen weißer Hautfarbe

Es gibt noch eine Grafik, die verdeutlicht, was sich in den vergangenen Jahrzehnten in und um Missouri abgespielt hat. Sie stammt von Colin Gordon von der University of Iowa und beschäftigt sich mit dem so genannten "White Flight" - der Flucht von Menschen weißer Hautfarbe. Auf den Karten sind diese Bewegungen deutlich zu sehen, und wie sich der Delmar Boulevard in St. Louis zu einer Grenze entwickelt hat. Eine Hauptverkehrsstraße, die von Westen nach Osten verläuft und damit Nord und Süd, Arm und Reich, Schwarz und Weiß trennt.

Die Struktur der Bevölkerung spiegelt sich indes nicht in allen Bereichen wider: Fergusons Bürgermeister James Knowles ist weiß, fünf von sechst Stadträten sind weiß. Bei der Polizei von Ferguson arbeiten 53 Beamte - nur drei davon sind Afroamerikaner. "Das ist ein Problem, das im Zuge der Tragödie vom Samstag angesprochen wurde", sagt Fergusons Polizeichef Tom Jackson. Er setze sich seit Jahren für Diversifizierung ein und wolle das auch in Zukunft tun.

Diese Studien verdeutlichen jedoch vor allem, dass es sich bei der Bevölkerungsstruktur des Vororts Ferguson und der Großstadt St. Louis keineswegs um ein singuläres Problem in den USA handelt. John Logan und Brian Stults veröffentlichten insgesamt Karten von 21 amerikanischen Großstädten, in denen der Wert des "Dissimilarity Index" mehr als 60 beträgt.