Proteste gegen Urteil im Trayvon-Martin-Prozess Demonstranten stürmen Supermarkt in Los Angeles

Der Freispruch im Fall Trayvon Martin empört viele Beobachter. In Los Angeles ist es bei Protesten in der Nacht zu Ausschreitungen gekommen. Nach Berichten der "LA Times" trampelten Randalierer über Autos und machten Jagd auf Zuschauer.

Nach dem Freispruch im Prozess um den Tod des schwarzen Teenagers Trayvon Martin entlädt sich die Empörung: In der Nacht kam es im kalifornischen Los Angeles zu massiven Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei. Randalierende Demonstranten liefen über Autos, machten Jagd auf Zuschauer und stürmten schließlich einen Walmart-Supermarkt, berichtet die Los Angeles Times auf ihrer Website.

Zuvor hatten sich in einem Park Dutzende Demonstranten getroffen, um in einer Nachtwache ihren Unmut über das Urteil zu bekunden. In einem anschließenden Protestzug riefen Demonstranten: "Keine Gerechtigkeit, kein Frieden". Dem Bericht der LA Times zufolge nahm die Polizei mindestens eine Person fest, kündigte jedoch weitere an, sollten die Ausschreitungen andauern. Im Moment sehe es jedoch so aus, als ob die Polizei die betroffene Gegend um den Crenshaw Boulevard geräumt habe, schreibt LA-Times-Reporter Ruben Vives in einem Live-Blog.

Bereits in der Nacht zum Montag hatte es in mehreren Großstädten in den USA Proteste gegen den Freispruch von George Zimmerman gegeben. In New York, San Francisco, Chicago, Los Angeles und anderen Städten demonstrierten Tausende Menschen.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters haben zudem inzwischen mehr als 800.000 Menschen eine Online-Petition der Bürgerrechtsorganisation NAACP unterzeichnet, in der US-Justizminister Eric Holder dazu aufgerufen wird, zivilrechtliche Schritte gegen den früheren Nachbarschaftswächter George Zimmerman einzuleiten.

Holder prüft Klage vor Bundesgericht

Holder bezeichnete den Tod Martins am Montag in einer Rede vor etwa 14.000 Mitgliedern einer afroamerikanischen Studentinnenverbindung in Washington als "tragisch und unnötig". Er fügte hinzu: "Das Justizministerium teilt eure Sorgen. Ich teile eure Sorgen." Er bekräftigte, dass die im Frühjahr 2012 begonnenen Ermittlungen der Bundesbehörden gegen Zimmerman fortgeführt würden. Die Untersuchungen waren wegen des Strafverfahrens in Florida unterbrochen worden, in dem Zimmerman am Wochenende freigesprochen wurde. Doch noch ist offen, ob die US-Regierung den Fall vor ein Bundesgericht bringt.

Eine der sechs Geschworenen, die den umstrittenen Freispruch beschlossen hatten, hat sich derweil öffentlich über die schwierige Urteilsfindung geäußert. Eine als "Geschworene B-37" vorgestellte und im Dunkeln sprechende Frau sagte dem US-Nachrichtensender CNN, zu Beginn der 16-stündigen Beratungen seien drei Geschworene für einen Freispruch für den angeklagten Todesschützen George Zimmerman gewesen, die drei anderen hätten den Fall zunächst als Totschlag bewerten wollen. Erst nach Stunden der Debatte und wiederholtem Lesen der gesetzlichen Bestimmungen sei Einigkeit darüber erzielt worden, dass Zimmerman freigesprochen werden müsse, erläuterte die Geschworene.

Aus dem Prozess habe sich für sie das Bild ergeben, dass Trayvon Martin den Angeklagten Zimmerman angegriffen habe, sagte die Geschworene. Zimmerman habe "ohne Zweifel" um sein Leben gebangt. Die dann folgende tödliche Auseinandersetzung sei eine "Tragödie", fügte die Geschworene hinzu. Beide Beteiligten seien dafür mitverantwortlich, dass sie in diese Situation hineingeraten seien. "Beide hätten auch weggehen können."

Der Nachbarschaftswächter Zimmerman, Sohn einer peruanischen Mutter und eines weißen US-Bürgers, hatte Martin am Abend des 26. Februar 2012 nahe Orlando erschossen. Obwohl der schwarze Jugendliche unbewaffnet war, ließ die Polizei den Schützen zunächst laufen. Dabei berief sie sich auf ein Gesetz, das Bürgern in Florida ein weitgehendes Selbstverteidigungsrecht einräumt, das sogenannte "Stand your Ground"-Gesetz. Zimmerman hatte erklärt, dass Martin ihn zuerst attackiert habe. Die Staatsanwaltschaft warf ihm Mord mit bedingtem Vorsatz vor. Kritiker sagen, Zimmerman habe Martin nur deshalb für verdächtig gehalten, weil er schwarz gewesen sei.