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Prostituierte beklauen Männer:Angemacht und ausgeraubt

Immer öfter rauben nigerianische Prostituierte männliche Touristen am Ballermann oder in anderen spanischen Ferienorten aus. Beliebte Opfer sind Männer bei Junggesellenabschieden oder Betriebsausflügen.

Unermüdlich hat Radio Ballermann, der Spaßsender für ungetrübtes Urlaubsvergnügen, in den vergangenen Jahren immer wieder auf die sehr spezielle Art der Bandenkriminalität auf Mallorca hingewiesen: Auf Europas beliebtester Touristenmeile, der Playa de Palma, rauben zu später Stunde kleine Gruppen von nigerianischen Prostituierten betrunkene Urlauber aus - meist Deutsche und Briten. Auch in Kneipen- und Discovierteln auf Gran Canaria und am Südende der berühmten Ramblas, der immer mehr herunterkommenden Flaniermeile Barcelonas, muss die Polizei immer häufiger Anzeigen von Urlaubern aufnehmen, die von aggressiven Afrikanerinnen ausgeraubt wurden.

Die Polizei von Palma de Mallorca schätzt die Zahl der Frauen, die auf diese Weise die von ihren Zuhältern geforderten Quoten erarbeiten wollen, auf mindestens 200. Besonders beliebt ist dem Diario de Mallorca zufolge der Abschnitt um den Balneario 6, der als "Ballermann" Teil der deutschen Prollkultur geworden ist. Das Vorgehen sei immer dasselbe: Ein Mann aus einer Gruppe torkelnder Urlauber wird isoliert, zwei Frauen verwickeln ihn in ein Gespräch, die dritte und vierte attackieren ihn von der Seite oder von hinten, die fünfte läuft schnell mit der Beute davon. Wie Aufnahmen von Überwachungskameras zeigen, wird dabei geschlagen und getreten, gekratzt und gebissen. Besonders beliebt als Opfer sind Teilnehmer von Junggesellenabenden und Betriebsausflügen.

Gesetzeslücke für Zuhälterei

Die Polizei lässt zwar Streifen in Zivil an den gefährdeten Abschnitten patrouillieren. Doch angesichts der Menge an Touristen und auch an Straßenprostituierten ist deren Wirkung nur sehr begrenzt. Auch bewegen sie sich in einem rechtsfreien Raum: Prostitution ist in Spanien nicht verboten. Zwar hat Spanien die UN-Resolution gegen Menschenhandel unterzeichnet, die Zuhälterei kriminalisiert, aber sie ist nicht im spanischen Strafrecht umgesetzt.

Nach Schätzungen der Behörden verfügt die Mehrheit der Afrikanerinnen nicht über eine Aufenthaltsgenehmigung. Vertreter deutscher und britischer Reiseunternehmen deuten hinter vorgehaltener Hand an, dass die spanische Polizei bei dieser Art von Verbrechen keinen besonderen Ermittlungseifer zeige, weil die Opfer kaum bemitleidet werden. Warnungen gibt es ja genug, durch die Reiseveranstalter, auf Plakaten und Faltblättern, in den deutsch- und englischsprachigen Lokalsendern.

Im Sexbusiness ganz unten

Nach Meinung spanischer Soziologen ist der starke Anstieg dieser neuen Art der Kriminalität auch eine Folge der großen Wirtschaftskrise in Spanien: Wegen der hohen Arbeitslosigkeit drängen immer mehr junge Spanierinnen auf den hart umkämpften Sexmarkt, folglich sinken die Preise. In der Hierarchie des Sexbusiness stehen die Afrikanerinnen ganz unten, für manche von ihnen scheinen die Überfälle auf Nordeuropäer, die sich kaum auf den Beinen halten können, lukrativer zu sein, als ihren Körper für ein paar Euro zu verkaufen.

Ihre Aggressivität ärgert auch die einheimischen Patrone des Sexbusiness, die oft mit rumänischen und russischen Mafiaorganisationen zusammenarbeiten: Denn die Kontaktaufnahme zwischen Prostituierten und Freiern funktioniert nur in entspannter Atmosphäre. Raubüberfälle verderben das Geschäft. Polizeiexperten erwarten daher, dass den Zuhältern und Bordellbetreibern kein anderer Ausweg bleibt, als eigene Ordnungsdienste aufzustellen, so wie dies in den Rotlichtvierteln der meisten europäischen Metropolen der Fall ist. Unglücklich darüber wäre man bei der Polizei nicht.