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Promis und Coronavirus:So luxuriös kann Quarantäne sein

Mit fünf Kindern in Quarantäne darf man schon mal durchschnaufen, findet Sandy Meyer-Wölden, in Leggings, mit "sehr gesundem Ingwer-Kurkuma-Tee, aber ohne Make-up".

(Foto: Instagram/sandymeyerwoelden)

Die Corona-Krise trifft alle Menschen gleichermaßen? Vielleicht nicht ganz. Ein kleiner Blick in die Instagram-Accounts der Reichen und Schönen, die es in ihren Häusern und auf ihren Yachten zum Teil doch ganz gemütlich haben.

Zum Glück gibt es Instagram, sodass nicht verborgen bleiben muss, dass es den Reichen und Schönen gerade ganz ähnlich geht wie uns. Die Schauspielerin Gwyneth Paltrow geht mit Atemmaske auf den Wochenmarkt, Nicole Scherzinger von den Pussycat Dolls muss sich zu Hause fit halten. Ein paar Unterschiede gibt es aber doch: Paltrows Atemmaske ist ein Designerstück für 99 Dollar; und Scherzinger trainiert in ihrem privaten Fitness-Studio.

Die Ausgangssperre in vielen Ländern betrifft alle, aber nicht alle sind davon gleich betroffen. Es gibt nicht nur die Prepper, die sich auf diesen Moment seit Jahren vorbereitet haben und nun in teils luxuriös ausgestattete Bunker in gering besiedelten US-Bundesstaaten wie Colorado oder Nevada geflüchtet sind. Es gibt auch jene, die es sich aufgrund ihres Vermögens leisten können, erst jetzt aktiv zu werden.

"Das Telefon hört nicht mehr auf zu klingeln, das Virus ist so berühmt wie die Hits der Backstreet Boys in den Neunzigern", sagte Gary Lynch, Manager beim texanischen Bunker-Hersteller Rising S Bunkers, der Los Angeles Times. Gewöhnlich verkauft er Modelle, die 40 000 Dollar kosten, nun aber werden die Wünsche nach NBC-Systemen (nuklear, biologisch, chemisch) sehr viel exquisiter: "In Kalifornien haben wir gerade einen Bunker mit Swimmingpool, Bowlingbahn und Schießanlage fertiggestellt."

Lynch verwies auf das Modell Aristocrat für 8,35 Millionen Dollar, in dem es ein Gewächshaus, eine Sauna, Billardtisch und Tischtennisplatte sowie Heimkino, Fitnessraum und Whirlpool gibt. "Vorhin hat einer angerufen, der seit zehn Jahren so einen Bunker haben wollte - wegen des Virus hat seine Frau nun zugestimmt." Wie viele Leute sich jetzt Luxusbunker leisten, verriet er nicht. Nur so viel: Er habe die Zahl seiner Angestellten inzwischen verdoppelt.

Wer genügend Geld hat, der hat viele Möglichkeiten und kann sich für die Zeit der Pandemie zum Beispiel auch eine Luxusyacht gönnen, die derzeit pro Woche 98 000 Dollar kostet. "Es ergibt total Sinn", sagte Jennifer Saia kürzlich der New York Times. Sie ist Managerin beim Verleih B&B Yacht Charter in Rhode Island, wohin zahlreiche vermögende New Yorker geflüchtet sind: "Die Leute gelangen von ihrem Auto direkt zum Rollfeld, dort wartet der Privatjet - nach der Landung geht es sofort zur Yacht, ohne mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen."

"Diese Leute reisen nun mal nicht gerne mit Fluglinien"

Den Privatjet gibt es übrigens bei Firmen wie Star Jets International, deren Geschäftsführer Ricky Sitomer der Financial Times (FT) erklärte: "Die Nachfrage ist gigantisch, zehn Mal so hoch wie beim Super Bowl." Für knapp 20 000 Dollar kann sich eine Familie von New York nach Florida chauffieren lassen: "Diese Leute reisen nun mal nicht gerne mit Fluglinien." Ebenfalls beliebt: Helikopter mit bis zu acht Gästen für 5000 Dollar pro Stunde.

Wer es sich leisten kann, der nimmt seinen Privatarzt mit, und das führt angesichts der Lage in New York zu einem weiteren Angebot für Vermögende. Es gibt Kliniken wie Sollis Health, die man sich vorstellen muss wie eine Luxus-Notaufnahme für Superreiche. Allein die Mitgliedschaft in diesem Privatkrankenhaus mit Filialen in den Vierteln Tribeca und Upper East Side kostet mindestens 3000 Dollar pro Person im Jahr, Gründer Bernard Kruger sagte kürzlich in der FT: "Es ist verrückt derzeit. Wer wirklich Geld hat, der richtet sich daheim nun eine eigene Intensivstation ein."

Die Ausgangssperre in vielen Ländern betrifft alle, aber nicht alle sind davon gleich betroffen, das zeigt auch die Geschichte von Andrew Carmellini, einem der berühmtesten Köche von New York City. Er musste vergangene Woche alle elf Restaurants schließen und 1400 Angestellte entlassen. Stammkunden hätten ihn angerufen, erzählte er der FT - aber nicht, um ihm Mut zuzusprechen. Sie wollten wissen, ob er denn von Manhattan aus in die 160 Kilometer entfernten Hamptons liefern würde.

© SZ vom 04.04.2020/jael

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