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Beamter in Indien vor Gericht:Polizist als Auftragskiller

Er verhaftete selten, lieber zückte Pradeep Sharma die Waffe: 112 Gangster soll das einstige Aushängeschild der indischen Polizist in seiner Karriere niedergestreckt haben. Der Ruhm ist inzwischen verblichen - heute steht er selbst vor Gericht. Wegen Mordes.

Bollywood liebt solche Haudegen. Schließlich sind wie gemacht für Actionfilme: Sie schießen viel und geben sich als echte Machos. Männer wie Pradeep Sharma sind oft Thema in indischen Filmen, weil sie einem gefährlichen Job nachgehen und vermeintlich lässige Sätze sagen. "Diese Einsätze sind eine Sucht für mich, sonntags ist mir immer langweilig", sagte Sharma einmal dem Nachrichtenmagazin Outlook.

Pradeep Sharma

Zu seiner Waffe pflegt Pradeep Sharma offensichtlich eine ganz besondere Beziehung: 112 Kriminelle soll der indische Polizist in seiner Laufbahn erschossen haben.

(Foto: AFP)

Der Polizist aus Mumbai hatte eine besondere Art, Jagd auf Verbrecher zu machen. Sharma verhaftete selten, lieber zückte er die Waffe. Der inzwischen 50-Jährige gehörte einer Einheit an, die in den 1990er Jahren als "Encounter Squad" bekannt wurde. Sie tötete mutmaßliche Verbrecher während der Verfolgung - angeblich in Notwehr, aber Menschenrechtler sprachen von außergerichtlichen Tötungen.

Der Ruhm ist verblichen

112 Gangster hat allein Sharma nach eigenen Angaben niedergestreckt. "Als Polizist ist es mein Job, die Stadt von Kriminellen zu säubern. Genau das mache ich", lautete die Selbstbeschreibung seiner Arbeit.

Der Ruhm vergangener Tage ist verblichen. Pradeep Sharma steht derzeit vor Gericht, weil er nicht nur Verbrecher jagte, sondern auch Kontakte zur Unterwelt unterhalten haben soll. Beschuldigt wird Sharma unter anderem, für einen Mann aus der Immobilienbranche einen Rivalen umgebracht zu haben. Sharma bestreitet die Vorwürfe.

Vor einigen Jahren stand er schon einmal im Kreuzfeuer der Kritik, weil er Kontakte zu dubiosen Gestalten gepflegt haben soll und als korrupt galt. Das wurde der Polizei zu viel, sie entließ Sharma zeitweilig aus dem Dienst. "25 Jahre lang galt ich als Held", sagte er, nun werde er als Schande der Polizei gebrandmarkt, weil es der Behörde so ins Konzept passe. Später durfte er wieder in den Dienst zurückkehren, die Vorwürfe wurden fallengelassen.

Gegen die Gangs mit brachialen Methoden

Eigentlich hat Sharma einen Universitätsabschluss in Chemie, aber daraus einen Beruf zu machen, war ihm zu langweilig. Es zog ihn zur Polizei, die gerade in Mumbai alle Hände voll zu tun hat. Sharma und Kollegen sagten den Gangs den Kampf an, auch mit brachialen Methoden. Die Zeitungen waren begeistert, nicht selten landeten ihre Einsätze auf der Seite 1, wenn sie wieder einen Verdächtigen erschossen hatten.

Inzwischen gibt es diese Killerkommandos der Polizei nicht mehr, zumindest offiziell.

Ein früherer Kollege Sharmas berichtete im Wall Street Journal davon, wie Gesetzeshüter es früher regelrecht geradezu darauf angelegt hätten, sich zu überbieten und bei vorgetäuschten Verfolgungen Verdächtige gezielt zu erschießen. Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch prangerten diese Methoden schon seit längerem an. Es gebe zahlreiche Fälle in Indien, in denen Beamte Verdächtige erschossen hätten, um ihre "politischen oder kriminellen Verbindungen" auszubauen.