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Prominente:Geburtstagsgrüße vom Lieblingsstar

Rihanna

Dem Idol nahe kommen: Popsängerin Rihanna und einer ihrer vielen Fans. Persönliche Videobotschaften von so mancher Berühmtheit kann man nun gegen Geld ordern.

(Foto: John Amis/AP)
  • Bei der Plattform "Cameo" können Fans persönliche Videobotschaften von ihren Stars kaufen.
  • 3000 prominente Personen sind bereits unter Vertrag, hauptsächlich aus den USA. Vor kurzem hat das Unternehmen auch ein Europa-Büro eröffnet.
  • Den Preis können die Promis selbst festlegen; eine Grußbotschaft von Fußballspieler Kevin-Prince Boateng kostet zum Beispiel 50 Dollar.

Man könnte meinen, Lance Bass sei ein richtig netter Typ. Früher stand er zusammen mit Justin Timberlake als Sänger der Boygroup N'Sync auf der Bühne, heute schickt er Fans persönliche Videobotschaften. Das Bild wackelt, Bass grinst in die Handykamera. "Hey Megan", sagt er dann oder: "Hey Emily" oder "Hey Ashley, ich bin's, Lance Bass". Glückwunsch zum Geburtstag, zum 8-Jährigen, zum Baby, Küsschen und bis bald!

Über 100 solcher Videos hat Bass seit Mai aufgenommen, so lange ist er schon bei "Cameo", einer Plattform, bei der Fans für Geld persönliche Kurzvideos bei Stars in Auftrag geben können. Im Falle von Lance Bass kostet das 125 Dollar, Bass mag also durchaus ein netter Typ sein, vor allem aber ist er geschäftstüchtig. Seinen Kunden scheint der Service dennoch zu gefallen. Fünf Sterne haben sie Bass auf seinen Cameo-Profil gegeben. Volle Punktzahl.

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Wenn man so will, ist Cameo so etwas wie die Fortentwicklung der Star-Kultur in digitalen Zeiten. Das Internet hat ja nicht nur unsere Kommunikation revolutioniert, sondern auch verändert, wie wir Geschäfte machen und vor allem auch mit wem. Privatwohnungen verwandeln sich dank Airbnb in Touristenapartments, Familienwagen werden durch Uber zu Taxis. Grenzen verschwimmen, fast alles ist käuflich, da erscheint es irgendwie nur logisch, dass man auch Stars mieten kann, zumindest für eine kurze Zeit.

Steven Galanis ist Mitgründer und CEO von Cameo. Auf die Idee für den Dienst kam er, als ein Collegefreund ihm ein Video zeigte, dass der wiederum für einen Bekannten organisiert hatte: Cassius Marsh, ein Spieler der Footballmannschaft Seattle Seahawks, gratuliert darin besagten Bekannten zur Geburt dessen Sohnes. Man kann das Video immer noch Online sehen, es dauert 12 Sekunden und die Qualität ist mies. "Der Bekannte meines Freundes meinte trotzdem, es sei das beste Geschenk, das er je bekommen habe", sagt Galanis.

Der Fußballspieler Boateng hat schon Weihnachtsgrüße gesendet - für 50 Dollar

Galanis fragte sich also, ob man nicht auch anderen Leuten kurzzeitig einen persönlichen Zugang zu ihren Idolen verschaffen könnte, ganz einfach über das Internet und natürlich für Geld. Mit seinem Collegefreund fing er an, eine Onlineplattform zu bauen und Stars und Sternchen zu rekrutieren. "Es hat uns selbst überrascht, wie einfach das war", sagt Galanis, und er meint damit die Gewinnung der Stars, nicht den Bau der Plattform. Geholfen hat dabei eine einfache Rechnung: Geht man davon aus, dass das Jahr 2000 Arbeitsstunden hat, kann man den Verdienst eines Prominenten ganz einfach auf einen Stunden- und sogar Minutenlohn herunterrechnen. Aus 25 Millionen Dollar im Jahr werden so 208 Dollar in der Minute. Für ein 30 Sekunden langes Video müsste man also 104 Dollar ansetzen. Durchaus erschwinglich für den Fan - und immer noch lukrativ für einen Star. "Theoretisch könnte man mit Cameo-Videos also genauso viel verdienen wie mit einem Job als Baskettballspieler oder einer Karriere in Hollywood", sagt Galanis.

Ganz ernst gemeint ist das natürlich nicht, kein Star oder Sternchen will schließlich 2000 Stunden im Jahr Videobotschaften verschicken. Bei Cameo mitmachen wollen sie aber trotzdem, knapp 3000 "Talents" hat die Plattform schon unter Vertrag, sagt Galanis. Ex-Boygroup Mitglied Lance Bass ist dabei, genauso wie die Schauspielerin Mischa Barton aus der Serie "O.C. California" und sogar Baskettball-Legende Dennis Rodmann.

25 Prozent der Einnahmen bleiben bei Cameo, der Rest geht an die Stars. Wie viel ihre Grußbotschaften kosten legen sie selbst fest. Das führt dazu, dass die Plattform auch so etwas wie ein Ranking ist für Prominente, ihr Ruhm wird messbar, bestimmt durch Angebot und Nachfrage. Youtube-Sternchen und Instagram-Models gibt es schon ab fünf Dollar aufwärts, der Celebrity-Blogger Perez Hilton kostet 25,25 Dollar, Mischa Barton 75 und Jordan Belfort, das Vorbild für den "Wolf of Wallstreet", sogar 1000 Dollar, gerade allerdings ist er "unavailable", nicht erreichbar.

Für ein paar Dollar ins Leben der Stars eintauchen

Man könnte Cameo nun vorwerfen, die Kommerzialisierung der Fankultur noch weiter ins Extreme zu führen. Nach T-Shirts, Tassen, Postern, Schuhen und gebrandeten Make-up-Linien werden nun eben noch Videogrüße vermarktet. Hauptsache, das Geschäft läuft. Und natürlich: Geld verdienen ist die Hauptintention von Cameo, gleichzeitig bietet die Plattform aber auch etwas, was all die anderen Fan-Devotionalien nicht bieten: direkten und persönlichen Zugang zu Idolen. Während mittlerweile sogar hinter Youtubevideos Marketingabteilungen stecken und auf jedem Instagramfoto ein Filter liegt, sind die Stars und ihre Botschaften bei Cameo ungeschminkt und meistens auch vollkommen unvorbereitet, ohne Script und ungeschnitten.

Wahrscheinlich lohnt sich der Aufwand nicht für ein paar Dollar von den Fans, das Ergebnis sind aber Videos, in denen man den Stars oft sogar näher kommt, als einem lieb ist. Man blickt in unaufgeräumte Wohnzimmer und chaotische Garagen. Man trifft die Stars im Mannschaftsbus oder verschwitzt und mit rotfleckiger Haut ein paar Minuten nach dem Work-out. Manchmal tauchen die schlecht gelaunten Kinder im Hintergrund auf, manchmal verrückte Haustiere, es ist das ganz normale Leben also, Star hin oder her. Auch das, könnte man sagen, ist eine Revolution: Ein Stück Authentizität für ein paar Dollar, weil die Fans direkt zahlen und kein Werbekunde oder Manager dazwischenredet.

Seit Frühjahr 2017 ist Cameo online, heute werden 350 bis 400 Videos pro Tag gebucht, sagt Galanis, meistens aus den USA, gerade hat Cameo aber ein Europa-Büro eröffnet. Einen deutschen Promi hat die Plattform sogar schon länger unter Vertrag: Den Fußballspieler Kevin-Prince Boateng. Er hat per Cameo schon Fans aus Schaffhausen zu Weihnachten gratuliert und einem Pascal zu dessen Geburtstag. Kostenpunkt: 50 Dollar.

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