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SZ-Serie "Ein Anruf bei...":Gesucht: Jagdschein und Balletterfahrung

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Lady Diana, hier ein Bild aus dem Jahr 1989, steht im Mittelpunkt der Filmproduktion "Spencer", die im kommenden Jahr unter anderem im Münsterland gedreht werden soll. Dafür wird nun der Hofstaat gesucht.

(Foto: Kraipit Phanvut/AFP)

Einmal Mitglied des britischen Hofstaats sein: Den Wunsch will eine Casting-Agentur erfüllen, die für einen Film über Prinzessin Diana Komparsen sucht. Gute Chancen hat, wer "aristokratisch" aussieht.

Interview von Franziska Osterhammer

Im kommenden Jahr soll der Film "Spencer" im Münsterland gedreht werden. In der Produktion, die Prinzessin Dianas Mädchennamen trägt, geht es um ein Weihnachtsfest auf dem Landsitz der britischen Königsfamilie Anfang der 90er-Jahre. Für den Hofstaat werden jetzt Hunderte Kleindarsteller und Komparsen gesucht - die mit blaublütigem Aussehen überzeugen. Gregor Weber, 42, Mitinhaber der Casting-Agentur, erklärt, worauf es dabei ankommt.

SZ: Herr Weber, wie sieht man besonders adelig aus?

Gregor Weber: Ein aristokratisch wirkendes Gesicht zeichnet sich durch hohe Wangenknochen und scharf geschnittene Gesichtszüge aus, vielleicht fast schon militärische. Außerdem hat man keine Sonnenbankbräune, keine gezupften Augenbrauen, gefärbte Haare, sichtbare Piercings oder Tattoos. Uns schweben optisch etwa englische Landgutbesitzer vor, die gerne zur Jagd gehen und wegen des Regenwetters eine vornehme Blässe aufweisen.

Warum suchen Sie eigentlich ausgerechnet in Nordrhein-Westfalen?

Erst mal natürlich, weil Teile des Films dort gedreht werden sollen. Außerdem begeistern sich die Leute hier besonders für Filmproduktionen. Wir hatten schon einige erfolgreiche Castings. Im Münsterland wohnen ja durchaus wohlhabende, alteingesessene Familien, die dementsprechend gut in einen Hofstaat passen.

Gregor Weber, 42, Mitinhaber der Casting-Agentur Eick in Ennepetal, hat unter anderem Castings für die Serie "Babylon Berlin" veranstaltet. Für "Spencer" hat er schon mehr als 1000 Bewerbungen von Hofstaat-Interessierten bekommen.

(Foto: Agentur Eick)

Hat man einen Vorteil, wenn man beim Casting in Tweed-Sakko und dunkelgrünen Gummistiefeln auftaucht?

Oh ja, das kann man gerne machen. Über britischen Akzent oder Native Speaker freuen wir uns auch sehr. Aber das Casting findet ja coronabedingt nur online statt.

Bis zu welcher Position sollte man die britische Thronfolge kennen, um für die Rollen geeignet zu sein?

Vorwissen dieser Art braucht man nicht unbedingt. Was hilfreich ist, sind Kellner- und Kocherfahrungen in der gehobenen Gastronomie, ein Jagdschein und Balletterfahrung, weil wir Szenen drehen werden, in denen Komparsen entsprechende Rollen besetzen sollen. Alles andere bringen wir den Leuten dann schon bei. Weiter suchen wir auch Menschen mit Schauspielerfahrung, die ein paar Sätze vor der Kamera sagen können.

Wie bereitet man sich optimal auf den Dreh vor? Jeden Tag Tea-Time, Treibjagd und Sonnencreme mit LSF 50+?

Das Wichtigste ist zunächst, sich die Haare wachsen zu lassen. Die sollen nämlich entsprechend den 90er-Jahren, der Zeit, in der der Film spielt, geschnitten und frisiert werden. Das passt dann perfekt zu den Original-Kostümen. Und man kann noch Filme oder Serien schauen, die in dieser Zeit spielen - zum Beispiel "The Crown" - oder Bücher aus der Epoche lesen.

Kennen Sie die Filmbesetzung schon?

Ja, wer die Hauptrolle spielt, weiß ich, aber ich darf noch nichts dazu sagen - insofern kein Kommentar.

Und haben sich schon Hofstaat-Interessierte gemeldet?

Die ersten Bewerbungen sind schon eingegangen, und man kann sich noch bis zum 31. Dezember bei uns melden. Ich bin also zuversichtlich, dass wir 300 geeignete Komparsen mit entsprechendem Aussehen zusammenbekommen, wir sind ja hier im Münsterland.

© SZ/lot
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