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Beerdigung von Prinz Philip:Nur ein wenig Schnickschnack

Nach dem Tod von Prinz Philip

Die Royal Artillery probt schon mal für die Beisetzung von Prinz Philip und reitet in Richtung Windsor Castle.

(Foto: Steve Parsons/dpa)

Prinz Philip wollte eine möglichst schnörkellose Beisetzung, so hat er es vor Jahren selbst festgelegt. Bei der Zeremonie an diesem Samstag werden nur 30 Gäste anwesend sein, darunter auch drei deutsche Verwandte.

Von Michael Neudecker

Über Heinrich Donatus Prinz und Landgraf von Hessen, 54, ist in der Adelspresse zu lesen, er sei "lässig", werde von seiner Familie "Don" genannt und lege wenig Wert auf "höfische Etikette". Als Oberhaupt des Hauses Hessen verwaltet er einerseits die eine oder andere ältere Immobilie und Länderei und ist andererseits ein entfernter Verwandter der britischen Königsfamilie, weshalb er an diesem Samstag einer von 30 Anwesenden sein wird, wenn Prinz Philip, der verstorbene Mann der britischen Königin Elizabeth II., beigesetzt wird. Heinrich Donatus von Hessen weilt derzeit den Quarantäneregeln folgend in Ascot in England, bei Teilen seiner britischen Verwandtschaft, die bekanntermaßen die höfische Etikette auf eine Weise zelebriert, als habe sie sie selbst erfunden.

Die Zeremonie wird von mehreren Fernsehsendern live übertragen, in Deutschland unter anderem von ZDF und RTL - passenderweise, möchte man sagen, jegliches Tun der "Royals" schwankt ungeachtet ihrer historischen Bedeutung für Großbritannien ja schon immer zwischen Relevanz und Klatsch. Die Beerdigung Philips nun ist der Vollzug von "Operation Forth Bridge", wie die Planung intern genannt wurde (nach der Eisenbahnbrücke über den Firth of Forth in Schottland). "Packt mich einfach auf einen Land Rover und fahrt mich nach Windsor", soll Philip einmal zur Queen gesagt haben. So kommt es nun, Philips Sarg wird auf einem sehr nach Nutzfahrzeug aussehenden, militärgrün lackierten Land Rover, ja: transportiert, wenn auch begleitet von einem angemessenen Prozessionszug.

Philip selbst hat das so festgelegt, wie überhaupt fast alles, was vor und während der rund 50-minütigen Trauerfeier passiert. Es kommt häufiger vor, dass sich ältere Menschen mit ihrer eigenen Beerdigung beschäftigen, etwa schon mal das Grab auf dem Friedhof bestellen. Auch der Duke of Edinburgh begann in höherem Alter mit den Planungen, vor 18 Jahren, da war er 82.

Schwierige Entscheidung für die Queen: Nur 30 Gäste

Das Ausmaß seiner Akribie soll beachtlich sein, Beteiligte sprechen von "militärischer Präzision". Ein "frill-free funeral", so heißt es, habe sich der Duke gewünscht, ein Begräbnis ohne Schnickschnack, wenngleich er sicherlich wusste, dass ein bisschen Schnickschnack in seinem Fall eben dazugehört. Philip hat unter anderem die Musikstücke ausgewählt, die von einem kleinen Chor vorgetragen werden, er hat festgelegt, dass seine Orden und Abzeichen auf neun Kissen ausgelegt werden, und dass der Ruf "action stations" ertönen soll, wenn sein Sarg in die Familiengruft hinabgelassen wird, der Ruf also, der auf Kriegsschiffen ausgegeben wird, um die Besatzung an die Gefechtsstationen zu beordern. Er hat auch die Gästeliste erstellt, die seine Frau, die Queen, wegen der Corona-Pandemie auf 30 Namen eingrenzen musste. Sie habe dabei einige "schwierige Entscheidungen" treffen müssen, zitiert die britische Presse einen Palast-Sprecher.

Am Ende ließ sie auf der finalen Liste neben Heinrich Donatus von Hessen noch zwei weitere Deutsche stehen, die ebenfalls über Philips Schwestern mit ihm verwandt sind: den 50-jährigen Bernhard Prinz von Baden und den 51-jährigen Philipp Prinz zu Hohenlohe-Langenburg. Bei der royalen Hochzeit 1947 waren sämtliche deutsche Verwandte Philips nicht eingeladen, wegen der schwierigen Beziehung des Landes zu Deutschland so kurz nach dem Krieg.

Harry und William werden nicht nebeneinander gehen

In Großbritannien werden die deutschen Gäste durchaus registriert, ein ungleich größeres Augenmerk aber liegt auf jenem Gast, der aus Nordamerika angereist ist: Prinz Harry, dessen Beziehung zu seinem Bruder William die Briten seit einiger Zeit beschäftigt. Am Donnerstag war bekannt geworden, dass Harry bei der kurzen Prozession hinter dem Sarg nicht direkt neben seinem Bruder gehen wird, sondern dass zwischen den beiden Peter Phillips vorgesehen ist, ihr Cousin und der erstgeborene Enkel der Queen. In einigen britischen Medien schaffte es diese Nachricht in den Status einer "breaking news".

Harry zuliebe übrigens, heißt es, habe die Queen - die während der Trauerfeier wie alle Gäste einen Mund-Nasen-Schutz tragen wird - verfügt, dass die Familienmitglieder entgegen der Tradition nicht in ihren Uniformen erscheinen. Das öffentliche Bild soll das einer vereinten Familie sein, und weil Harry seine militärischen Ehren mit dem Umzug in die USA aufgeben musste, wäre er der einzige zivil gekleidete Mann gewesen. Man darf ruhig davon ausgehen, dass das auch in Philips Sinn gewesen wäre. Die Macht der Bilder ist das wichtigste Instrument der Queen, kaum jemand hat das so sehr verinnerlicht wie er.

© SZ/vwu
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