Es gehört zu den bizarren Auswüchsen des Spätkapitalismus, dass sich Berühmtheit ohne Leistung direkt in Geld verwandeln lässt. Wer wüsste das besser als Prinz Harry und seine US-amerikanische Frau Meghan? Seit sie im Januar 2020 als aktive Mitglieder des britischen Königshauses zurückgetreten sind, sind Harry und Meghan eigentlich nur noch als Privatpersonen unterwegs – sie dreht keine Serien mehr, er muss auf die Anrede „Königliche Hoheit“ verzichten –, doch die beiden sind weiterhin überaus gefragt. Sie haben Follower, eine große Reichweite und können Aufmerksamkeit auf sich lenken.
So berichtete die Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch groß, dass das Paar in dieser Woche Australien besucht, verbunden mit dem Hinweis, dass Harry bei der Landung in Melbourne einen marineblauen Anzug mit weißem Hemd trug und Meghan ein dazu passendes Kleid „der in Sydney ansässigen Designerin Karen Gee im Wert von 1250 Australischen Dollar“ (725 Euro). In diesem Outfit half Meghan später in einem Frauenhaus bei der Essensausgabe.
Das Paar, das laut Harrys Autobiografie lieber nichts mehr mit der britischen Königsfamilie zu tun haben will, besuchte auch das Royal Children’s Hospital. Die beiden treffen außerdem Veteranen und nehmen an einem Gipfeltreffen zum Thema psychische Gesundheit teil. Dagegen ist nichts einzuwenden, vor allem wenn in der spätkapitalistischen Aufmerksamkeitsökonomie ein paar mehr Menschen auf diese Themen hingewiesen werden. Es ist nur ein kleiner Widerspruch zu Harrys früherer Aussage, dass er sich mit seiner Frau in die USA zurückziehen wolle, weil er sich finanzielle Unabhängigkeit wünsche und der Einmischung der Medien in sein Privatleben entfliehen wolle.
Er hat sich dann aber nicht etwa einen Job als Helikopterpilot gesucht, wofür er die Lizenz hätte. Stattdessen verkaufte er eine Reality-TV-Serie über sein Leben mit Meghan an Netflix, in der wiederum ihre Lifestyle-Marke vermarktet wurde, die britisch aussehendes Zeug verkauft. Selbst wohlmeinende Zuschauerinnen und Zuschauer fragten sich, ob sie dann nicht lieber gleich den Kardashians beim Reicherwerden zusehen wollen. Die tun wenigstens nicht so, als ginge es ihnen um etwas anderes.
Bis zu 2400 Australische Dollar für eine Harry-Rede
Am Wochenende wird Meghan in einem Luxushotel in Sydney bei einem „Girls Weekend“ zu „persönlichen Gesprächen“ zur Verfügung stehen, wie die BBC meldet. Das Retreat umfasst auch Yoga und Klangheilung, für bis zu 3199 Australische Dollar (1938 Euro) pro Person. Harry wiederum wird eine Rede auf einer Veranstaltung halten, zu der die Tickets bis zu 2400 Australische Dollar kosten.
Reuters berichtet auch von einer Petition, die sich dagegen richtet, dass die Sicherheitskosten für den Besuch des Paares von australischen Steuerzahlern bezahlt werden. Harrys Vater, König Charles, ist Staatsoberhaupt von Australien. Doch die antiroyalistische Bewegung wächst, je unbeliebter die Königsfamilie wird, wozu auch Harrys Onkel Andrew einiges beigetragen hat. Es versammelten sich allerdings auch Hunderte Menschen in der Eingangshalle des Royal Children’s Hospital, um einen Blick auf Harry und Meghan zu erhaschen. Auch beim Töpfern mit Kindern von Veteranen wurden Selfies gemacht. Die erzeugen sicher Reichweite. Und darauf kommt es in erster Linie an.


