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Presidents Club Charity Dinner:Londoner Spendengala nach Sexismus-Vorwürfen eingestellt

Im feinen Dorchester Hotel am Hyde Park fand eine Spendengala nur für Männer statt.

(Foto: mauritius images)
  • Eine traditionsreiche Londoner Wohltätigkeitsveranstaltung ist durch Recherchen zweier Reporterinnen der Financial Times in die Kritik geraten.
  • Demnach wurden zu dem jährlichen Presidents Club Charity Dinner zahlreiche Hostessen engagiert, die von einigen der Gäste belästigt wurden.
  • Zwei Kinderkrankenhäuser distanzierten sich daraufhin von dem Club und kündigten an, die erhaltenen Spenden zurückzuzahlen.

Von Björn Finke

Es geht um Wohltätigkeit, darum, mit Spenden das Los kranker und benachteiligter Kinder zu verbessern. Doch für einige Gäste dieser sehr speziellen Spendengala geht es offenbar auch darum, knapp bekleideten jungen Frauen nahe zu kommen - unangemessen nahe. Seit 33 Jahren lädt die Londoner Stiftung Presidents Club zu einem Charity Dinner, um Geld für Kinder zu sammeln. Der Club spendete insgesamt mehr als 20 Millionen Pfund. Aber jetzt ist Schluss: Der Club löst sich auf, wie am Mittwochabend bekannt wurde. Zuvor war herausgekommen, dass beim diesjährigen Abendessen Teilnehmer Frauen belästigt hatten. Das Dinner fand vorige Woche im feinen Dorchester Hotel am Hyde Park statt.

Nur Männer dürfen die Gala besuchen, Smoking und Fliege sind Pflicht. Die Teilnehmer - in diesem Jahr 360 - sind reiche Geschäftsleute aus dem In- und Ausland, dazu ein paar eher wenig bekannte Politiker. Zur Unterhaltung engagiert der Presidents Club Hostessen, die mit den Gästen am Tisch plaudern sollen. Sie kassieren 150 Pfund plus 25 Pfund, um nachts, nach der Party im Anschluss, mit dem Taxi nach Hause zu fahren. Unter den 130 Hostessen waren diesmal zwei Reporterinnen der Financial Times. Deren Enthüllungen führten dazu, dass sich am Mittwoch zwei Londoner Kinderkrankenhäuser, die lange von Spenden dieser Galas profitiert hatten, vom Presidents Club distanzierten. Sie wollen das Geld zurückzahlen und keine weiteren Wohltaten akzeptieren. Kurz darauf verkündete die Stiftung ihre Auflösung.

Zudem gab der Geschäftsmann David Meller, Vorsitzender des Clubs und Organisator des Abends, wegen des Skandals die Mitgliedschaft in einem Beratergremium des Bildungsministeriums auf. Die Financial Times berichtete, dass Gäste Hostessen unsittlich berührten, auf ihren Schoß zogen oder zu küssen versuchten. Eine 19-Jährige wurde von einem Gast gefragt, ob sie eine Prostituierte sei, eine andere Frau wurde auf das Hotelzimmer eingeladen. Beim Dinner standen auf jedem Tisch Whisky-, Wodka- und Champagnerflaschen; auf der Bühne rekelten sich Burlesque-Tänzerinnen.

Das Dorchester Hotel teilt mit, es toleriere keine Belästigungen, aber es habe keine Beschwerden gegeben. Die Berichte seien sehr beunruhigend, der Fall werde geprüft. Die Agentur, welche die Hostessen vermittelte, sagt ebenfalls, ihr seien keine Klagen bekannt, doch das geschilderte Verhalten sei inakzeptabel. Die Firma will bei den Hostessen nachfragen.

Höhepunkt der Gala war die Versteigerung: Geboten wurde unter anderem für einen Land Rover, einen Tesla, Hubschrauberflüge oder ein Essen mit Außenminister Boris Johnson. Der sagt allerdings nun, er habe davon nichts gewusst. Außerdem konnten Gäste einen Abend im Stripclub "The Windmill" ersteigern sowie eine Schönheitsoperation für die Gattin, gestiftet von einer Londoner Klinik. Um die Vorteile so einer Behandlung zu veranschaulichen, kam eine Hostess auf die Bühne und zeigte auf die operierten Teile ihres Körpers. Insgesamt brachte der Abend mehr als zwei Millionen Pfund ein. Es wird die letzte Großspende des Presidents Club sein.

© SZ vom 25.01.2018/eca

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