Post vom Finanzamt für Babys Preußischer Obrigkeitsstaats-Tonfall

Wenn sie wenigstens diese seltsame Idee, schon Neugeborene mit persönlichen Identifikationsnummern zu versehen, besser gestalten würden, ironischer, freundlicher, lebensnäher. Es wäre zum Beispiel ja schon etwas ganz anderes, wenn jedem Neugeborenen mit einer kleinen Urkunde vom Bundespräsidenten oder wenigstens vom Innenministerium feierlich eine Nummer verliehen und es bei dieser Gelegenheit von seinem Staat im Leben und in der Bundesrepublik begrüßt und willkommen geheißen würde.

Die Eltern lachen, sind sowieso anspruchslos bis zynisch, was das seltsame, und rein ökonomisch geprägte Verhältnis des aufgeblähten Fürsorgestaates zu seinen Bürgern angeht. Als wäre das Finanzamt die staatliche Instanz schlechthin. Als müsse schon ein Baby aufgeklärt werden über seine Staatsbedürftigkeit und die fatale, alles bestimmende Priorität von Finanzen und Ökonomie. Als müsse auch dieser preußische Obrigkeitsstaats-Tonfall dringend schon in die frühkindliche Prägung aufgenommen werden.

Und weil sie nicht sicher sind, wann das Baby zum ersten Mal Fettgedrucktes von Normaltext unterscheiden kann, kleben Mama und Papa den ersten Brief nicht in das Erste-Jahr-Buch, werfen ihn lieber in die ungeliebte Kiste, auf der "Steuerunterlagen" steht, und sagen: Alles gut, solange wenigstens keiner von uns verlangt, dass wir unserem Söhnchen die lebenslängliche Identifikationsnummer auf den Oberarm tätowieren lassen müssen.

Und das Baby? Schreit. Laut. Sehr laut. Trainiert seine kleinen Lungen schon mal für die spätere Eignung und Verwendung als Wutbürger.