bedeckt München 29°

Porträt Grace Mugabe:Die gute Fee in Gucci

Mag die Welt Robert Mugabe verteufeln - seine Frau Grace steht zu ihm. Und während das Volk in Simbabwe leidet, schwelgt die Präsidentengattin in Luxus.

Arne Perras, Kampala

Die gute Grace. Nie weicht sie von der Seite ihres Gatten, auch in den schwersten Stunden nicht. Mag die Welt Robert Mugabe nun täglich verteufeln - Grace, 44, steht zu ihm. Zumindest soll es so aussehen, wenn die Präsidentengattin den 84-Jährigen anhimmelt. Von ihren mutmaßlichen Liebhabern, die alle jünger sind als Mugabe, hat man länger nichts gehört. In diesen Tagen hat Grace nur eine Botschaft zu befördern: Sie stützt ihren Ehemann, der sich weiterhin an die Macht in Simbabwe klammert.

Die scheinbar treue Frau an der Seite des mächtigen Mannes: Grace Mugabe bei der Vereidigung von Präsident Robert Mugabe am vergangenen Sonntag in Harare.

(Foto: Foto: AFP)

Im ägyptischen Badeort Scharm el Scheich war Frau Mugabe auch wieder zu sehen, dort kamen die Mächtigen des Kontinents zum Gipfel der Afrikanischen Union zusammen. Ihr Kleid strahlte dort in blau und weiß, als müsse sie alles tun, um die politische Düsternis zu vertreiben, die Simbabwe überschattet. Genauer betrachtet, verkörpert Grace Mugabe so ziemlich alles, was die leidenden Simbabwer verhöhnt. Sie ist berüchtigt für ihre Verschwendungssucht.

Und das Volk hungert.

"Grabbin' Grace" nennen sie viele. Oder "First Shopper". Und wenn sie einmal des Kaufens müde ist, zieht sie aus, um auf dem Lande die gute Fee zu mimen. Dann wirft sie in schicken Kostümen Almosen unters Volk. Das alles kann man am nächsten Tag auf übergroßen Fotos im Staatsorgan Herald bewundern. Grace, die edle Samariterin. Solche Bilder lassen die Menschen in Harare immer wieder schlucken.

In den Gemächern der philippinischen Präsidentengattin Imelda Marcos fand man einst mehr als 1000 Paar Schuhe. Was Grace Mugabe in ihren Schränken bunkert, weiß man noch nicht so genau. Aber an ihrer ausgeprägten Schwäche für Luxusboutiquen gibt es keinen Zweifel. Zuletzt wurde es etwas mühsam für sie, weil die Europäer das Regime mit Reisesanktionen belegten. London und Paris waren nicht so einfach zu erreichen - obgleich sich das hartnäckige Gerücht hält, dass Grace dann eben mit anderem Pass eingeflogen ist, um ihre Einkaufswägen zu füllen. Und manchmal gibt es ja auch schöne Gelegenheiten, wie kürzlich den UN-Ernährungsgipfel in Rom.

Das ist ein internationales Treffen gewesen, zu dem Mugabe reisen durfte - und das ließ sich auch Grace nicht entgehen. Simbabwe ist pleite, das stimmt schon. Aber ein paar Dollar lassen sich immer noch zusammenkratzen. Für diesen Trip waren es angeblich 80.000 US-Dollar. Wie aus der Zentralbank durchsickerte, durfte Grace das Geld zum offiziellen Kurs tauschen, ein US-Dollar kostete sie demnach 30.000 Simbabwe-Dollar.

Auf dem Schwarzmarkt wurde ein US-Dollar in jenen Tagen aber schon mit 1,5 Milliarden in einheimischer Währung gehandelt. Die Einkaufskasse war also gratis. So hat Grace über die Jahre vermutlich Millionen verprasst. Bei ihren Touren kommen Gucci und Ferragamo palettenweise in den Jet. "Ich habe sehr schmale Füße", hat Grace einem Reporter gestanden. "Deshalb trage ich nur Ferragamo."

Wenn es um Grace geht, dann geht es auch immer um die Politik. Wer mit Simbabwern spricht, bekommt oft zu hören, dass der Absturz des Landes doch erst damit begonnen habe, dass Mugabe seine Sekretärin Grace heiratete. Das war im Jahr 1996. Vier Jahre zuvor war Sally gestorben, Mugabes erste Frau. Mugabe und Grace hatten da schon eine längere Beziehung, die von Sally geduldet wurde.

Grace schenkte Mugabe jene Kinder, die ihm in der Ehe mit Sally verwehrt geblieben waren. Die beiden hatten nur einen gemeinsamen Sohn, der früh starb. Das war noch in der Zeit, als der Rebell Mugabe im Kerker des weißen Minderheiten-Regimes saß. Sally war weithin geachtet in Simbabwe, alle mochten sie: "Sie war die Einzige, die Mugabe auch mal die Meinung sagen konnte", erzählt ein früherer Weggefährte Mugabes. "Sie war so etwas wie ein Korrektiv."

Und Grace? Viele glauben, dass sie Mugabe nur einsamer und härter gemacht hat. Zwar beweist sie immer wieder, dass sie wie ein bunter Papagei die Parolen ihres Mannes nachzwitschern kann. Dann spricht sie Sätze wie: "Ich bin bereit, für dieses Land in den Krieg zu ziehen." Aber nichts deutet darauf hin, dass Grace in die Rolle von Sally schlüpfen könnte. Nicht nur ihre Einkaufs-Eskapaden haben sie von ihrem Volk entfremdet. Sie hat ihren Mann auch immer wieder dazu gedrängt, neue Luxushäuser für sie zu bauen.

Das Bild vom glücklichen Paar bekam über die Jahre Risse, als Gerüchte über ihre heimlichen Affären kursierten. Außerdem scheint ein heftiger Kampf in der Familie zu toben, wie das Vermögen künftig aufzuteilen sei. Enge Verwandte fürchten, dass sich Grace am Ende alles alleine schnappen will. Ein hartes Leben, so nah an der Macht.

© SZ vom 02.07.2008/imm
Zur SZ-Startseite
Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB