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Porträt des Ex-Präsidenten:Bill Clinton hat einen Schatten

William Jefferson Clinton, Lawrence M. Small

Bill Clinton vor neun Jahren bei der Enthüllung seines Porträts in Washington. Rot eingekreist: der Schatten von Lewinsky? (Archivbild von 2006)

(Foto: AP)

Ein Gemälde des ehemaligen US-Präsidenten sorgt für Aufregung. Neben Bill Clinton ist ein Schattenriss zu sehen - laut Maler ein Symbol für die Affäre mit Monica Lewinsky.

Von Jana Stegemann

Es ist nur ein Schatten. Eine schemenhafte Kontur, die sich, wenn man genau hinsieht, an einem hellen Kaminsims abzeichnet. Und doch hat dieser Schatten das Potenzial zum Skandal. Er ist in unmittelbarer Nähe zu Bill Clinton zu finden. Auf einem gemalten Porträt des Ex-Präsidenten.

Es ist der Schatten von Monica Lewinsky. Das zumindest behauptet der Maler.

Nelson Shanks ist ein bekannter Künstler aus Philadelphia. Der 77-Jährige hat bereits Lady Diana und Papst Johannes Paul II. porträtiert. 2005 stand Bill Clinton im sogenannten "Oval Office", dem Büro des amerikanischen Präsidenten, für ihn Modell. Das Gemälde hängt seitdem in der Smithsonian's National Portrait Gallery in Washington.

Es zeigt Bill Clinton, der von 1993 bis 2001 US-Präsident war, im dunklen Anzug mit roter Krawatte und Zeitung in der rechten Hand, die linke Hand lässig in den Hosenbund gehakt. Im Hintergrund ein Kamin. Auf dem Sims steht eine große chinesische Vase, über der Feuerstelle hängt ein Gemälde.

"Die ganze Monica-Sache niemals aus dem Kopf bekommen"

Vom Schatten der ehemaligen Praktikantin Lewinsky war all die Jahre keine Rede. Jetzt sagte Shanks den Philadelphia Daily News: "Mr. Clinton zu malen, war eine der schwierigsten Aufgaben meines Lebens, weil der Demokrat vielleicht der bekannteste Lügner aller Zeiten ist. Es war hart." Er sagte, er habe beim Malen von Clinton "niemals völlig die ganze Monica-Sache aus dem Kopf bekommen und das daher subtil im Porträt verarbeitet". Clinton sei während der Treffen mit ihm "reichlich nervös" gewesen.

Sobald der Ex-Präsident den Raum verließ, arbeitete Shanks am Hintergrund des Bildes. Und zwar mithilfe einer Schneiderpuppe in einem blauen Mantelkleid, die er in einiger Entfernung vom Kaminsims aufstellte. "So kreierte ich den Schatten im Bild", sagte Shanks. Der Schatten auf dem Kamin sei "eine Art Metapher für den Schatten auf seinem Amt oder ihm selbst". Auch wenn Shanks ergänzt: "Er und seine Regierung haben einige gute Dinge getan, klar."

Monica Lewinsky war 1995 Praktikantin im Weißen Haus. Im Verlauf ihres Praktikums entwickelte sich zwischen der damals 22-jährigen Psychologin und Präsident Clinton eine sexuelle Beziehung. Deren Bekanntwerden löste 1998 eine schwere innenpolitische Affäre aus und führte zur Einleitung eines Amtsenthebungsverfahrens, das jedoch scheiterte. Das wichtigste Beweisstück in dem Verfahren: Ein blaues Mantelkleid mit verdächtigen Flecken, das Lewinsky bei einem der zahlreichen Treffen getragen hatte.

"Sie finden es schrecklich"

Als das Porträt 2006 enthüllt wurde, soll Bill Clinton einem Bericht der Washington Post zufolge gesagt haben: "Ich denke, das Bild fühlt sich an wie Bill Clinton. Es hat - ich würde es nicht Angeberei nennen - aber es hat ... Was? Eine Zwanglosigkeit? Eine Lockerheit, eine entspannte Stimmung."

Mittlerweile sieht er das anders. Die Clintons, so erzählt man sich, versuchen seit Jahren, das Bild aus dem Museum entfernen zu lassen. "Sie finden es schrecklich", heißt es in US-Medien. Vielleicht weil Bill Clinton darauf offensichtlich keinen Ehering trägt. Vielleicht aber auch aus einem anderen Grund.

Eine Sprecherin des Museums sagte, ihr sei nicht bekannt, dass die Clintons sich wegen des Bildes beschwert hätten.

© SZ.de/jana/liv

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