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Polizistenmord von Heilbronn:Mögliche Tatwaffe sichergestellt

Vier Jahre fehlte von den Mördern der Polizistin Michele Kiesewetter aus Heilbronn jede Spur - nun steht die Tat offenbar kurz vor der Aufklärung: Dem Stuttgarter Generalstaatsanwalt zufolge wurde die vermutliche Tatwaffe in einem ausgebrannten Haus in Zwickau gefunden. Ein DNS-Abgleich fiel jedoch negativ aus.

Viereinhalb Jahre nach der Tat trennen die Polizei nur noch wenige Ermittlungsschritte vor der endgültigen Aufklärung des Mordes an einer Polizistin aus Heilbronn. Immer neue Puzzleteile fügen sich zu einem Gesamtbild: Im Wohnhaus einer Verdächtigen wurde offenbar ein wichtiger Hinweis entdeckt. "In dem Haus in Zwickau ist eine Waffe gefunden worden, die dem Typ entspricht, mit dem auf die Polizisten geschossen wurde", sagte der Stuttgarter Generalstaatsanwalt Klaus Pflieger.

Zu Polizistenmord gesuchte Frau stellt sich

An dem Trauerzug zu Ehren der erschossenen Polizistin Michele Kiesewetter nahmen im April 2007 etwa 2000 Kollegen teil.

(Foto: dapd)

Die 22-jährige Michele Kiesewetter war vor vier Jahren im Dienst durch einen Kopfschuss getötet worden, ihr 24-jähriger Kollege wurde ebenfalls schwer verletzt. Er lag nach dem Angriff wochenlang im Koma und kann sich nicht an den Vorfall erinnern.

In dem besagten Haus in Zwickau lebten zwei mutmaßliche Bankräuber und eine 36 Jahre alten Frau. Die beiden Männer sind tot - ihre Leichen wurden am vergangenen Freitag in einem ausgebrannten Wohnmobil in Thüringen entdeckt. In dem Fahrzeug fanden Beamte die bis dato verschollenen Dienstwaffen der Beamten aus Heilbronn, sowie andere Gegenstände, die Pflieger zufolge mit der Tat von 2007 zusammenhängen - so etwa Handschellen und ein Multifunktionsgerät.

Die 36-Jährige war aus dem in Flammen stehenden Gebäude geflüchtet. Nach ihr wurde zwischenzeitlich mit internationalem Haftbefehl gesucht. Am Dienstag stellte sich Beate Z. dann den Polizeibehörden in Jena. Sie ist dringend tatverdächtig, die Explosion in dem Wohnhaus verursacht zu haben. Von Seiten der Polizei hieß es, es gebe Anhaltspunkte, dass in dem Haus in Zwickau ein Brandbeschleuniger verwendet worden sei.

Die 36- wurde nach ihrer Festnahme befragt - machte zunächst aber keine Angaben. Voraussichtlich wird sie an diesem Mittwoch dem Haftrichter vorgeführt werden.

Ein Abgleich der DNS-Spuren am Tatort von Heilbronn mit einem Gentest der mutmaßlichen Täter aus Eisenach ergab bisher keine Übereinstimmung. "Nach den bisherigen Erkenntnissen ist es naheliegend, dass beim Polizistenmord mit Handschuhen gearbeitet wurde, so dass DNS-Spuren grundsätzlich auch nicht ohne weiteres zu erwarten sind", betonte Oberstaatsanwalt Frank Rebmann.

Tatbeteiligung "sehr wahrscheinlich"

In diesem Zusammenhang könnte die Aussage von Beate Z. Aufklärung bringen: "Von ihr erhoffen wir uns weitere Angaben, die den konkreten Tathergang des Heilbronner Polizistenmords und die Motivlage der Tatbeteiligten erhellen", sagte Oberstaatsanwalt Rebmann. Einen dringenden Tatverdacht gegen die Frau bezüglich des Polizistenmordes gebe es derzeit nicht. Dennoch sei es sehr wahrscheinlich, dass der Mord "aus dieser Tätergruppierung heraus verübt wurde".

Inzwischen haben die Behörden auch bestätigt, dass es sich bei dem Trio um Rechtsextreme handelte. Der Thüringer Innenminister Jörg Geibert sagte, dass die zwei mutmaßlichen Bankräuber und die 36-jährige Frau dem rechtsextremen "Thüringer Heimatschutz" zugerechnet würden.

Der Verfassungsschutz in Thüringen wies derweil Vermutungen zurück, dass die Verdächtigen V-Männer der Behörde waren. Es gebe keine Anhaltspunkte für eine "nachrichtendienstliche Zusammenarbeit" mit den Männern, teilte der Verfassungsschutz auf seiner Internetseite mit. Auch hätten "staatliche Stellen" den mutmaßlichen Bankräubern von Eisenach nicht bei der Flucht geholfen. Der Verfassungsschutz habe seit 1998 keine Kenntnis über ihren Aufenthaltsort gehabt, hieß es in der Mitteilung der Behörde. Die Männer waren vor etwa 13 Jahren als rechtsextreme Bombenbauer untergetaucht.

Der Durchbruch im Heilbronner Fall hat auch Auswirkungen auf die Ermittlungen in Augsburg. Dort war Ende Oktober ein Polizist erschossen worden. Die Ermittler sehen jedoch keinen direkten Zusammenhang mit dem Mord in Heilbronn. "Wir sehen bislang keine Parallele zwischen den Fällen", sagte ein Polizeisprecher. Es würden zwar routinemäßig DNS-Spuren aus beiden Fällen verglichen, doch bis Ergebnisse vorlägen, könnten noch einige Tage vergehen.