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Polizisten nach Ferguson-Einsatz suspendiert:"Wie tollwütige Hunde niedermachen"

Nachspiel der Proteste von Ferguson: Zwei Polizisten, die während der Demonstrationen nach den Todesschüssen in der US-Kleinstadt eingesetzt waren, werden disziplinarisch bestraft. Ein Beamter wütete im Internet, von einem anderen Beamten tauchte ein bizarres Video auf.

  • Zwei Polizisten, die während der Proteste in der US-Stadt Ferguson eingesetzt waren, wurden disziplinarisch bestraft
  • Ein Beamter schrieb in sozialem Netzwerk davon, die Demonstranten "niederzumachen". Ein zweiter Polizist brüstete sich in Video, ein "Killer" zu sein
  • Für den Polizisten, der einen unbewaffneten schwarzen Teenager erschossen hat, wurden umgerechnet 180 000 Euro gesammelt

Im Zusammenhang mit den mehrtägigen Protesten in der US-Kleinstadt Ferguson gegen die Todesschüsse eines weißen Polizisten auf einen unbewaffneten schwarzen Jugendlichen ist ein Beamter vom Dienst suspendiert worden. Ein weiterer Polizist wurde in den Innendienst strafversetzt.

Polizist ließ seinem Hass im Internet freien Lauf

Wie die Polizeidirektion in Glendale mitteilte, erfolgte die Suspendierung von Matthew P. wegen dessen Bemerkungen über die Demonstranten auf seiner Facebook-Seite.

Der Polizist hatte unter anderem geschrieben: "Ich habe diese Protestierer satt. Ihr seid eine Belastung für die Gesellschaft und eine Plage für die Gemeinschaft." P. fügte außerdem hinzu: "Diese Protestierer hätten man in der ersten Nacht wie tollwütige Hunde niedermachen sollen." Die Polizeidirektion kündigte eine Untersuchung an und erklärte, sie und die Stadtverwaltung teilten Ansichten des Beamten "absolut" nicht.

Pressefotografen erkannten den Polizisten als einen von hunderten Beamten, die zur Verstärkung gegen die Demonstranten nach Ferguson entsandt worden waren. Einer der Fotografen sagte, der Polizist sei kurz davor gewesen, mit seinem Knüppel auf die Reporter einzuschlagen.

Glendale, eine zu 97 Prozent von Weißen bewohnte 6000-Einwohner-Gemeinde, gehört wie Ferguson zum Einzugsbereich der Großstadt St. Louis im US-Bundesstaat Missouri. Die Bevölkerung in Ferguson ist zum größten Teil schwarz, die dortige Polizei setzt sich aber ganz überwiegend aus Weißen zusammen.

Bizarres Video von Armee-Veteran aufgetaucht

Bei dem zweiten Polizisten handelt es sich um Dan P. aus St. Louis, der viele Jahre Soldat war und offenbar einen Feldwebelrang bekleidete. Er schob einen schwarzen Fernsehreporter während einer Live-Übertragung vor sich her. Daraufhin tauchte ein einstündiges Video auf (hier zu sehen), das Dan. P bei einem bizarren Vortrag vor ehemaligen Polizisten und Soldaten zeigt.

In dem im Internet kursierenden Clip brüstet sich der weißhaarige Veteran damit, ein "Killer" zu sein, der mehrere Menschen getötet habe. "Wenn ich muss, töte ich noch einen ganzen Haufen weitere. Dan P. schmäht Muslime, Homosexuelle und nennt die Richter vom Obersten Gericht "Perverse in schwarzen Roben". Er stellt die Herkunft von Barack Obama in Frage, spricht dem US-Präsidenten ab, Oberbefehlshaber sämtlicher US- Streitkräfte zu sein und gibt allerlei Verschwörungstheorien zum Besten.

Michael Brown Polizist wegen Drohung mit Waffe suspendiert
Mit Gewehr auf Demonstranten gezielt

Polizist wegen Drohung mit Waffe suspendiert

Er soll eine halbautomatische Waffe in die Menge gerichtet und gedroht haben, einen Demonstranten zu erschießen: Ein Polizist aus der US-Kleinstadt Ferguson ist jetzt wegen seines Verhaltens vom Dienst suspendiert worden. Angesichts der seit Tagen andauernden Proteste bemühen sich die Sicherheitskräfte, ihr negatives Bild in der Öffentlichkeit zu korrigieren.

Der Polizeichef von St. Louis, Jon Belmar, äußerte sich in örtlichen Medien "zutiefst verstört" durch die Äußerungen von Dan P. Der Beamte wurde in den Innendienst versetzt. Angeblich wird er psychologisch untersucht.

Am Freitag gingen in Ferguson erneut mehrere Dutzend Demonstranten auf die Straße, um gegen die Erschießung des 18-jährigen Schwarzen Michael Brown durch den 28-jährigen weißen Polizisten Darren W. zu protestieren und seine Festnahme zu verlangen.

235 000 Dollar Spenden für Todesschützen

Eine Internet-Spendenaktion für den Todesschützen erbrachte innerhalb von nur fünf Tagen rund 235 000 Dollar (knapp 180 000 Euro). Demnach gaben fast 6000 Einzelpersonen oder auch Gruppen Geld zur Unterstützung von W. Die Sammelaktion wird inzwischen von einer Wohltätigkeitsorganisation fortgesetzt.

Eine Grand Jury (Anklagekammer) prüft zurzeit, ob W. vor Gericht gestellt werden soll. Diese Prozedur könne bis zu zwei Monate dauern, berichtete der Sender CNN unter Berufung auf einen Rechtsexperten. Wie es weiter hieß, hat der Polizist nach dem Vorfall mehrere Todesdrohungen erhalten und hält sich an einem unbekannten Ort auf. Er ist vorläufig vom Dienst befreit und bezieht weiter sein Gehalt. Im Falle einer Anklage kämen aber vermutlich hohe Kosten auf ihn zu.

Brown wird am Montag bestattet

Der erschossene Teenager Michael Brown soll am Montag beigesetzt werden. Die Trauerfeier mit dem Bürgerrechtler Al Sharpton als Hauptredner ist öffentlich. Die Familie des Toten und die Organisatoren erwarten eine große Menschenmenge.

© SZ.de/AFP/dpa/odg/dd
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