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Polizeigewerkschaft:Wer es nicht so gut mit ihm meint, der schimpft ihn "Populist"

Seither fordert er, und er fordert viel. Die Abschaffung von Stehplätzen in Fußballstadien, den Einsatz von Gummigeschossen gegen Demonstranten, vor einem Jahr sagte er: "Wenn wir ernst gemeinte Grenzkontrollen durchführen wollen, müssen wir einen Zaun entlang der deutschen Grenze bauen." Er will das so nicht gemeint haben, aber da war der Satz schon abgedruckt. Compact hat er gesagt, das "Obermackertum" junger Muslime gehöre "fast zu den Grundbausteinen dieser Kultur". Dass er überhaupt mit der rechten Zeitschrift geredet hat, sei "ein Versehen der Geschäftsstelle gewesen", rückblickend "ein Fehler". Seine Anhänger sagen, dass er sich für seine Leute einsetzt und dabei manchmal überdreht. Der Rainer halt.

Wer es nicht so gut mit ihm meint, der schimpft ihn "Populist", der unterstellt ihm "Sehschwäche auf dem rechten Auge". Der hält einen wie Wendt für einen typischen Repräsentanten all der Dinge, die gerade ein wenig fragwürdig erscheinen in Teilen der deutschen Polizei. Aber Polarisierung ist sein Mittel der Wahl. Wendt sagt: "Ich bin ein meinungsfreudiger Mensch, ich weiß, wie Politik funktioniert." Der Satz mit dem Zaun habe ihm zwei Wochen Aufmerksamkeit gebracht.

Zurück nach Berlin, zurück in die Bar. Rainer Wendt hat eine Stunde lang vorgetragen, die Zuhörer klatschen, er ist unterhaltsam. Das Problem ist auch hier nicht, dass er mit all seiner Erfahrung im Dienst Mängel in der Flüchtlingspolitik kritisiert, Mängel bei der Terrorabwehr oder der Kriminalitätsbekämpfung. Das Problem sind wiederum die Sirenen - und die Reaktionen darauf. AfD-Chefin Frauke Petry hat ihn auf Twitter beglückwünscht, "Rainer Wendt spricht Klartext". Zu seiner Lesung in Weiden kamen AfD-Anhänger, sie nutzten die Veranstaltung, um gegen Angela Merkel zu pöbeln. Die AfD hat ein Foto von ihm bei Facebook gepostet: "Es wird höchste Zeit, die Dinge zu ändern." Er hat dagegen geklagt.

Den rechten Rand bedienen, das will er nicht mit seinem Buch, sagt er den Zuhörern in Berlin. Er schüre keine Ängste, er formuliere sie nur: "Ich wünsche mir doch auch, dass die AfD verschwindet." Wendt will die Rechtspopulisten nicht ausgrenzen, sondern mit ihnen reden. In seinem Buch prophezeit er, dass "es um die Herrschenden in unserem Land über kurz oder lang ziemlich einsam werden" wird. Manchmal aber spricht er nicht nur mit den Rechten, sondern wie sie. Ob sie das zum Verschwinden bringt?

© SZ vom 25.10.2016/lalse
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