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Polizeigewalt:137 Schüsse auf ein Auto

Nach dem Freispruch kam es in Cleveland zu Protesten.

(Foto: John Minchillo/AP)

Weiße US-Polizisten töten unbewaffnete Schwarze. Mal wieder. Nun gab es den ersten Freispruch. Der Polizeichef von Cleveland warnt vor Unruhen.

Der Freispruch eines weißen Polizisten nach tödlichen Schüssen auf zwei Schwarze hat im amerikanischen Cleveland Proteste ausgelöst. Etwa 70 Demonstranten wurden am Wochenende nach Ausschreitungen in der Stadt im US-Bundesstaat Ohio festgenommen. Der Angeklagte hatte bei einer Verfolgungsjagd Dutzende Schüsse auf ein unbewaffnetes Paar abgegeben. Nach Auffassung des Gerichts gibt es aber keine sicheren Beweise dafür, dass die tödlichen Schüsse aus seiner Waffe stammten.

Zur Verhandlung stand ein Vorfall aus dem Jahr 2012, an dem der angeklagte Polizist Michael Brelo und zwölf weitere Beamte beteiligt waren. Sie gaben bei einer Verfolgungsjagd insgesamt 137 Schüsse auf das Auto von Timothy Russell und Malissa Williams ab, die dabei getötet wurden. Das Paar war am Polizeirevier in Cleveland vorbeigefahren, als eine Fehlzündung einen lauten Knall im Auspuff erzeugte. Die Polizisten hielten das Geräusch für einen Schuss und nahmen die Verfolgung auf. Brelo wurde vor Gericht gestellt, weil er auch noch geschossen haben soll, als das Paar schon nicht mehr fliehen konnte. Von seinen 49 Schüssen gab er nach Angaben der Anklage 15 Schüsse ab, als das Auto bereits stand. Dabei sei der 31-Jährige auf die Motorhaube geklettert und habe durch die Windschutzscheibe gefeuert. Im Auto wurden später keine Waffen gefunden.

Nach dem Freispruch kam es in Cleveland zu Protesten. Polizeichef Calvin Williams sagte am Sonntag, dass die Sicherheitskräfte erst eingeschritten seien, "als es gewalttätig wurde". Er warnte vor weiteren Unruhen. Seine Beamten würden "die nötigen Maßnahmen ergreifen, um die Sicherheit der Stadt zu gewährleisten".

Im vergangenen Jahr hatten mehrere Fälle von tödlichen Schüssen auf Schwarze durch weiße Polizisten die USA erschüttert. In zwei Prozessen entschieden Gerichte, dass sich der jeweilige Polizist nicht dafür verantworten muss. Die Entscheidungen führten zu landesweiten Protesten gegen Rassismus und Polizeigewalt.

© SZ vom 26.05.2015 / AFP
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