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Polizei - Stuttgart:Immer mehr Polizisten werden Opfer von Spuckattacken

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Thomas Strobl (CDU), Minister für Inneres, Digitalisierung und Migration von Baden-Württemberg, spricht während einer Pressekonferenz. Foto: Sebastian Gollnow/dpa/Archivbild (Foto: dpa)

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Stuttgart (dpa/lsw) - Die Polizei in Baden-Württemberg ist mittlerweile mit Tausenden Spuckschutzhauben gerüstet - gleichzeitig werden immer mehr Beamte im Dienst angespuckt. 628 Polizisten wurden im vergangenen Jahr Opfer von Spuckattacken, wie das Innenministerium in Stuttgart unter Verweis auf die aktuelle Kriminalstatistik berichtet. 2018 waren es noch 604, im Jahr 2017 noch 493 Opfer. Auch mehr Fälle von "Ausspucken" werden statistisch erfasst. Das Innenministerium zählte 247 Fälle im Jahr 2019. Im Jahr davor waren es noch 249 Fälle, im Jahr 2017 waren es 213. Einer Tat können mehrere Opfer zugeordnet werden.

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Gegen Spuckattacken können sich die Polizisten im Südwesten seit einem Jahr mit speziellen Schutzhauben schützen. Innenminister Thomas Strobl (CDU) hatte die ersten Hauben vor einem Jahr erstmals in Heilbronn vorgestellt. Die stoffähnlichen, luftdurchlässigen Teile können spuckenden Angreifern komplett über den Kopf gezogen werden. Sie kosten wenige Euro und werden nach dem einmaligen Gebrauch entsorgt. Andere Bundesländer wie das benachbarte Rheinland-Pfalz hatten Spuckschutzhauben schon vorher im Einsatz.

In den vergangenen zwölf Monaten wurden rund 7700 Hauben an die Dienststellen und Einrichtungen der Polizei Baden-Württemberg ausgeliefert. "Das macht mehr als deutlich, wie groß der Bedarf war", sagte Strobl. Die Schutzhauben seien notwendig. "Wie wichtig, ja, wie lebenswichtig geeignete Schutzausstattung ist, sehen wir in der aktuellen Lage", sagte Strobl mit Blick auf die Corona-Krise und die unsichtbare Gefahr durch Viren. Auch hier mangele es der Polizei an Schutzausstattung wie etwa Atemschutzmasken. Die Polizei sei aber voll einsatzfähig, versicherte Strobl erst am Dienstag.

Konkrete Erkenntnisse zu den Erfahrungen der Beamten mit den Spuckschutzhauben liegen im Innenministerium noch nicht vor. Aber ein Sprecher berichtete von positiven Rückmeldungen aus den Dienststellen. Die Hauben hätten einen großen Teil dazu beigetragen, dass sich die Beamten noch besser gegen abscheuliche und ekelerregende Spuckattacken schützen konnten, sagte er. Von Einsätzen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie wisse man noch nicht.

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"Die Kollegen sind froh über das Hilfsmittel", sagte der Landeschef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Ralf Kusterer. Er kritisierte die zunehmende Gewalt gegen Beamte. "Es ist hoch ekelerregend, was manche Leute tun - und längst nicht jeder ist dabei betrunken." Es zeige den völligen Verlust von Respekt. "Da gibt es keine Schranke mehr." Spuckattacken bergen auch Ansteckungsgefahren. Kusterer berichtete von Fällen, in denen Personen sich vor der Polizei als Corona-Infizierte ausgegeben und mit einer Ansteckung gedroht hätten, um sich der Festnahme zu widersetzen. Die Justiz müsse bei Spuckattacken ihre Möglichkeiten voll ausschöpfen. "Wer das tut, muss nicht nur bestraft werden, sondern auch Schmerzensgeld an die Beamten zahlen."

Im Polizeivollzug in Baden-Württemberg arbeiten rund 24 500 Beamte. Laut Kriminalstatistik nimmt die Gewalt gegen die Polizei allgemein zu. Fast 11 200 Polizistinnen und Polizisten wurden im vergangenen Jahr als Opfer von Gewalt erfasst - mehr als 30 pro Tag. Mehr als 2200 von ihnen wurden bei den Angriffen auch verletzt.

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