Flüchtlingspolitik:Hunderte Polizisten im Einsatz gegen Schleuserbanden

Lesezeit: 1 min

Flüchtlingspolitik: Ein Lager für Boote, die für die Überfahrt von Migranten über den Ärmelkanal gedacht waren. Die Boote werden dort gelagert, nachdem sie von der Grenzpolizei abgefangen wurden.

Ein Lager für Boote, die für die Überfahrt von Migranten über den Ärmelkanal gedacht waren. Die Boote werden dort gelagert, nachdem sie von der Grenzpolizei abgefangen wurden.

(Foto: Gareth Fuller/picture alliance/dpa/PA Wire)

Sie sollen Millionen damit verdienen, Geflüchtete über den Ärmelkanal nach Großbritannien zu bringen: In fünf europäischen Ländern geht die Polizei gegen mutmaßliche Schleuser vor. Schwerpunkt der Aktion ist offenbar Osnabrück.

In fünf europäischen Ländern sind am Dienstagmorgen Hunderte Polizisten gegen Schleuserbanden vorgegangen. Es gab zahlreiche Durchsuchungen und Festnahmen in mehreren Bundesländern, wie die Polizei Osnabrück mitteilte. Beamte der Bundespolizei sowie der Polizei Osnabrück seien insbesondere in der Region um Osnabrück und Lotte im Einsatz, aber auch in und um Bremen und in Baden-Württemberg. Die Aktion wird den Angaben nach von den europäischen Behörden Europol und Eurojust geleitet; an ihr waren auch Polizisten in Großbritannien, Belgien, Frankreich und den Niederlanden beteiligt.

An der internationalen Polizeiaktion sollen in Deutschland auch mehrere Spezialeinsatzkommandos und die Spezialeinheit GSG 9 beteiligt sein, da viele der mutmaßlichen Täter bewaffnet sind und als gewalttätig gelten, wie der Spiegel schreibt. Der Schwerpunkt der Razzien liegt demnach im Raum Osnabrück, wo mehrere Lagerhallen und Privatadressen von irakisch-kurdischen Schleusern durchsucht wurden.

Die Beschuldigten würden verdächtigt, "als Mitglieder eines der führenden kriminellen Netzwerke in den vergangen 12 bis 18 Monaten bis zu 10 000 Menschen mit Schlauchbooten über den Ärmelkanal geschmuggelt zu haben", zitiert der Spiegel einen Sprecher der Osnabrücker Polizei. Seit einigen Jahren ist die Möglichkeit, über Züge oder Lastwagen durch den Eurotunnel von Frankreich nach Großbritannien zu gelangen, weitgehend versperrt. Seitdem lassen sich zunehmend Geflüchtete per Boot übersetzen. Mehr als 20 000 Menschen sollen es nach offiziellen Angaben im vergangenen Jahr gewesen sein - und in diesem Jahr soll diese Zahl noch einmal deutlich gestiegen sein. Laut Spiegel verdienen die Schleuser bis zu 75 000 Euro pro Überfahrt. Die bis zu 50 Kilometer lange Strecke ist gefährlich, immer wieder kommen im Ärmelkanal Menschen ums Leben: Im November ertranken mindestens 27 Menschen vor der französischen Küste.

Zur SZ-Startseite
BESTPIX - Fallout Continues Over Channel Migrant Drownings

MeinungÄrmelkanal
:Großbritannien will sich abschotten, Frankreich soll helfen

Tauziehen am Ärmelkanal: Das gestörte Verhältnis zwischen Paris und London zeigt, was passiert, wenn Populisten an Einfluss gewinnen.

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB