Polizei in den USA:Mach immer, was die Polizei von dir verlangt

Der Möchtegern-Samurai war Afroamerikaner, genau wie Tamir Rice, der 12-Jährige mit der Plastikpistole. Die Bloggerin KJ Dell'Antonia, die über Familienthemen schreibt, formuliert drei mögliche Ratschläge, die man seinen Kindern nach der Erschießung des Buben in Cleveland geben könne. Erstens: Spiel nie mit echt aussehenden Plastikpistolen. Zweitens: Mach immer, was die Polizei von dir verlangt. "Versuch nicht, den Beamten zu zeigen, dass deine Pistole nicht echt ist." Und drittens: Einem weißen Jungen wäre das vielleicht nicht passiert.

Amerikas Polizisten haben gern den Finger am Abzug. Und die afroamerikanische Bevölkerung muss dafür den Preis zahlen. Junge Schwarze werden schneller verdächtigt - und öfter getötet. Gemäß einer Studie der Investigativplattform Pro Publica laufen junge schwarze Männer in den USA 21 Mal häufiger Gefahr, von der Polizei erschossen zu werden. Für viele schwarze Amerikaner war Michael Brown in Ferguson deshalb nur ein Toter mehr.

Das Problem sitzt tief. Noch in der Nacht zum Dienstag rief die Bürgerrechtsorganisation ACLU die Bevölkerung auf, eine Petition gegen diskriminierende Polizeimethoden zu unterschreiben: "Wir dürfen keine weitere junge schwarze Person durch die Hand der Polizei verlieren." Die Aktivisten fordern ein Verbot des "Racial Profiling"; die Andersbehandlung von Verdächtigen aufgrund ihrer Hautfarbe soll nicht länger möglich sein. Nach den tödlichen Schüssen auf Michael Brown in Ferguson trugen schwarze Demonstranten Schilder mit der Aufschrift: "Ich bin nicht der Feind."

Die USA sind ohnehin kein ungefährliches Land. Geschätzte 270 Millionen Schusswaffen sind im Umlauf, Amokläufe ein wiederkehrendes Problem. Das erzeugt Handlungsdruck; der öffentliche Anspruch auf Sicherheit ist groß. Wohl auch deshalb hat US-Präsident Barack Obama kaum eine Stunde nach Bekanntwerden des Jury-Entscheids zu Ferguson um Verständnis für die Beamten gebeten: "Begreift, dass die Polizisten jeden Tag ihr Leben für uns aufs Spiel setzen. Sie haben einen schweren Job, die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten und Gesetzesbrecher zur Verantwortung zu ziehen."

Allerdings, räumte der erste schwarze Präsident der USA im selben Atemzug ein, sei das tiefe Misstrauen der nicht-weißen Bevölkerung gegenüber der Polizei nicht ohne Grund: "Diese Probleme sind nicht einfach erfunden." Das Justizwesen brauche Reformen.

© SZ vom 26.11.2014
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