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Polizei - Guben:"Eine Stadt": Deutsch-polnisches Polizeiteam auf Streife

Brandenburg
Holger Welkisch (r) und sein polnischer Kollege, Mariusz Podhorecki, sind Teil der ersten deutsch-polnischen Polizeistreife in Guben und dem polnischen Gubin. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa (Foto: dpa)

Guben/Gubin (dpa/bb) - "Witamy" - das polnische Begrüßungswort kommt Holger Welkisch schon wie selbstverständlich über die Lippen. In den kommenden Monaten wird sein Polnisch noch besser werden, da ist sich der 36-Jährige sicher. Der Polizist ist künftig Teil des ersten deutsch-polnischen Polizeiteams (GPT), das in Guben (Spree-Neiße) und im polnischen Nachbarort Gubin jeden Tag Streife laufen wird.

Am Freitag nahmen dort drei deutsche Beamte und ihre zwei polnischen Kollegen die Arbeit auf, darunter zwei Frauen. Der Aufbau des grenzüberschreitenden Modellprojektes, das mit mehr als 250 000 Euro aus EU-Mitteln gefördert wird, hat drei Jahre gedauert und läuft bis zum Juni 2022.

Bislang hatte es nach Angaben der Polizei nur sporadische Streifendienste von Polizisten beider Länder gegeben, etwa zwei Streifen pro Monat mit Symbolcharakter. Jetzt soll von Montag bis Freitag jeweils eine Streife auf polnischer und deutscher Seite Ansprechpartner für die Bürger sein, anlassbezogen auch am Wochenende.

Selbst Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) ist zum Start des Teams nach Guben gekommen. Er wuchs in der Region auf, ist mit "Neiße-Wasser getauft", wie er bekennt. Als große Errungenschaft empfindet er die "Normalität", mit der grenzübergreifend zusammengearbeitet werde. Innenminister Michael Stübgen (CDU) wiederum sieht das Polizeiteam schon als Vorreiter für grenzüberschreitende Teams an anderen Grenzabschnitten Deutschlands.

Für das Polizeiteam wurde in Guben eine eigene Dienststelle eingerichtet und künftig wird es auch Bürgersprechzeiten geben. Zur Ausrüstung gehört ein Streifenwagen, der mit einem deutsch-polnischen Logo deutlich gekennzeichnet ist. Dazu kommen zwei E-Bikes, Tablets und Smartphones. Sprachkurse für die Polizisten und rechtliche Schulungen sind ebenfalls Teil des Projekts.

Der Blick aus dem Fenster des neuen Büros der Streifenpolizei schweift über die Neiße zur Brücke, die Guben und Gubin verbindet. "Wir sind längst eine Stadt", sagt Projektkoordinator Torsten Roch. Für den Aufbau des Teams seien verschiedene Faktoren zusammengekommen. "Alles veränderte sich um uns herum, die Stadt Guben arbeitete kommunal längst mit der polnischen Seite zusammen, aber wir als Polizei waren stehengeblieben."

Wenn es um die Ergreifung von Straftätern ging, häuften sich zudem Anfragen von Bürgern - spätestens seit einer Raubserie im Jahr 2015, erzählt Roch. "Was macht ihr denn? Arbeitet ihr denn überhaupt nicht mit den Polen zusammen? Warum kriegt ihr die Täter nicht zu fassen?" habe man zu hören bekommen. Zur Unterstützung rückte damals eine Hundertschaft der Polizei an, die aber nicht blieb, ergänzt der Gubener Bürgermeister Fred Mahro (CDU). Seine Verwaltungsmitarbeiter seien damals Streife gelaufen. Ministerpräsident Woidke habe davon Kenntnis bekommen und eine gemeinsame Wache versprochen.

Um dem subjektiven Unbehagen der Bürger zu begegnen, setzte sich bei Roch die Idee eines gemeinsamen Teams fest. Bis das grenzüberschreitende Projekt aufgestellt war, mussten Fördermittel beantragt werden. Roch hatte verwaltungstechnische Hürden zu nehmen wühlte sich durch Antragsblätter. Zudem musste er Überzeugungsarbeit auf beiden Seiten leisten. "Je näher dann das Projekt rückte, umso begeisterter wurden die Polen", blickt er zurück.

Das neue Team soll jeweils zu zweit auf die Straße gehen, auch wenn die Sprachkenntnisse auf beiden Seiten bislang noch eher dürftig sind. Dafür werden die Polizisten zwei Jahre lang in Kursen Deutsch und Polnisch lernen. "Die Kollegen müssen sich absprechen können, vor allem in Gefahrensituationen", erklärt Roch. Etwa für Fälle wie Tankraub, die Aufnahme von Verkehrsunfällen, Einbrüche oder die Vermisstensuche im jeweiligen Nachbarland müssten die Polizisten die Sprache ihrer Partner flüssig sprechen können.

Ein wesentlicher Bestandteil des Projektes ist laut Roch auch die Weiterbildung im deutschen und polnischen Recht. Denn die Polizisten müssten lernen, welche Handlungsmöglichkeiten sie haben. Grundlage sei der deutsch-polnische Polizeivertrag von 2015. "Dort ist aufgelistet, wer was auf dem Nachbargebiet machen darf", erklärt Roch. "Man setzt immer Maßstäbe an, als wäre Polen ein anderes Bundesland. Dem ist ganz und gar nicht so." Die Souveränität des jeweils anderen Landes müsse immer gewahrt werden.

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