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Politikergattin Miyuki Hatoyama:Im Ufo zur Venus

Sie tingelte schon durch Talkshows, als ihr Ehemann noch in der Opposition war: Miyuki Hatoyama, Frau des japanischen Premierministers, unterhält das Land mit ihren Träumen.

Christoph Neidhart

In Yukio Hatoyama hat Japan erstmals einen Premierminister aus der langjährigen Opposition gewählt. Allerdings ist nicht nur er bemerkenswert, sondern auch die Frau an seiner Seite. Bisher hielten sich die Gattinnen japanischer Politiker stets dezent im Hintergrund. Miyuki Hatoyama aber liebt das Rampenlicht. Die 66-Jährige war einst Tänzerin in der legendären Takarazuka-Revue, einer berühmten Musical-Truppe, in der auch die Männerrollen von Frauen übernommen werden.

"Lebens-Gestalterin" mit merkwürdigen Erlebnissen: die Ehefrau des japanischen Parlamentschefs, Miyuki Hatoyama.

(Foto: Foto: AFP)

Heute nennt sie sich "Lebens-Gestalterin". Als Stylistin zieht sie Prominente an, auch ihren Mann, für den sie Krawatten und Socken farblich aufeinander abstimmt. Sie schmückt als Innendekorateurin Wohnungen, macht Kunst aus bemaltem Glas und schreibt makrobiotische Kochbücher.

Miyuki Hatoyama tingelte schon durch die Talkshows, als ihr Gatte Yukio noch ein chancenloser Oppositionspolitiker war. Bei einem TV-Auftritt amüsierte sie die Zuschauer mit einem Traum: mit einem dreieckigen Ufo sei sie zur Venus geflogen, wo alles "grün und sehr schön war". Ein anderes Mal erzählte sie, in einem früheren Leben habe sie den Schauspieler Tom Cruise gekannt, er sei damals Japaner gewesen. Diese "seltsamsten Erlebnisse" hat sie auch für ein Buch zu Papier gebracht.

Als sie Mitte zwanzig war, hörte Miyuki mit dem Tanzen auf, ging nach Kalifornien, heiratete dort einen Japaner und begann zu studieren. Nebenbei jobbte sie im Restaurant ihres Schwagers. Dorthin ging der scheue 28-jährige Student der Stanford-Universität, Yukio Hatoyama, regelmäßig zum Essen - und verliebte sich in die Kellnerin. Diese brannte schließlich mit ihm durch. Sie ließ sich scheiden und heiratete 1975 Yukio.

Zu Hause, im noch sehr konservativen Tokio, wurde die Heirat als Skandal aufgenommen: der älteste Sohn der reichsten und mächtigsten Dynastie mit einem frisch geschiedenen Tanzgirl. Yukio hielt seiner Familie entgegen, er habe eben aus allen Frauen die beste gewählt.

Japanische Blogger beschäftigt diese Liebesgeschichte bis heute. Erst jüngst unterstellten sie Miyuki, sie habe sich ihren Yukio regelrecht geangelt. Und sie habe stets jede Auskunft über ihre Herkunft verweigert, wird genörgelt.

Miyuki Hatoyama ist 1943 im japanisch besetzten Shanghai geboren. Aufgewachsen ist sie in Kobe. Ihren Familiennamen hat sie nie offenbart, sie verheimlicht auch, wer ihre Eltern waren. Womöglich Chinesen, argwöhnte die japanische Wochenpresse vor der Parlamentswahl und forderte Aufklärung. Außerdem wurde ein 13 Jahre altes Interview einer Frauenzeitschrift mit der Familie von Miyukis Ex-Ehemann ausgegraben, die sich auch 22 Jahre nach der Scheidung noch über die Unmoral Hatoyamas empörte. Auch einige Wochenblätter versuchten, die alten Geschichten aufzuwärmen, aber das Echo in der japanischen Öffentlichkeit war gering.

Dass sie Tänzerin war, verraten Miyukis elegante Bewegungen noch heute; und selbst wenn sie ihre grauen Haare einmal nicht schwarz gefärbt hat, wirkt sie geradezu jugendlich. Miyuki und Yukio Hatoyama haben einen 33-jährigen Sohn, der in Russland Ingenieurwissenschaften studiert.

© SZ vom 05.09.2009/holz

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