Drogengeständnisse von Politikern"Zu Rock'n'Roll gehörte auch Rausch"

Der britische Politiker Michael Gove beichtete gerade, er habe früher gekokst. Auch andere Spitzenpolitiker ließen sich schon zu Geständnissen hinreißen. Eine subjektive Auswahl - von Barack Obama bis Renate Künast.

Von Nora Reinhardt

Gerade gestand Michael Gove, der 51-jährige britische Umweltminister, in der Zeitung Daily Mail, in seinen Zwanzigern mehrfach gekokst zu haben. Er lieferte aber die gewünschte Deutung gleich mit: Das solle ihn, der die Nachfolge von Premierministerin Theresa May anstrebt, nicht für den Wettlauf um dieses Amt "disqualifizieren". Denn, ganz klar, der Wähler möchte seine Politiker nüchtern wissen. Entscheidungen mit Tragweite sollten bei klarem Kopf getroffen werden.Weil Politiker eine Vorbildfunktion haben und deshalb nicht ihre eigenen Gesetze brechen sollten.

Politiker müssen nüchtern sein - dieses Ideal gilt seit der Antike. Der US-Autor und Politikphilosoph Michael A. Rinalla hat darüber sogar geforscht und ein Buch zu Platon und der Drogenkultur der Antike veröffentlicht. Demnach war es durchaus üblich, Wein mit psychoaktiven Substanzen zu vermengen und bei Symposien zu konsumieren - allerdings im Rahmen. Verpönt war, zu berauscht zu sein: Zum einen, weil das als unmännlich galt. Zum anderen, weil der Rausch zu "Hybris" führte, zu anmaßendem Verhalten, das den Griechen als Tabu galt.

Seit etwa 2500 Jahren gilt dieses Ideal des nüchternen Politikers nun - und wird doch einmal jemand erwischt, entbehren die Drogengeständnisse meist nicht einer gewissen Komik: Das alles sei lange her, wurde gar nicht richtig konsumiert, man könne sich gar nicht daran erinnern, man habe das alles auch nicht gewollt und wenn man es gewollt habe, dann tue es einem leid. Es sei denn, man plant eine Provokation, wie einst FDP-Politiker Martin Lindner, der direkt in der Fernsehsendung "Stuckrad-Barre" vor den Augen aller einen Joint rauchte.

Bild: Mariana Bazo/Reuters 8. Juni 2019, 16:322019-06-08 16:32:36 © SZ.de