Politiker-DialekteIhre Mundart macht sie machtlos

Können sich unsere Politiker nicht klarer ausdrücken? Können sie nicht -ihnen ist der Schnabel so gewachsen.Von Kurt Kister

Seitdem die akkurat hochdeutsch sprechenden Niedersachsen das Kanzleramt geräumt haben, seitdem Edmund Stoiber nicht mehr überall sein Fußgängerzonen-Bayerisch ertönen lässt, ist das Land, dialektisch gesehen, im Wandel begriffen. Jüngstes Beispiel dafür ist die deutlich hessische Andrea Ypsilanti, der man, anders als ihrem Politfeind Roland Koch, anhört, wo sie herkommt. Über Deutschlands regionale Sprachen und Eigenheiten gibt es sehr viele Urteile und Vorurteile. Am schärfsten fallen sie meist bei den Nachbarn der Beurteilten aus, also bei Pfälzern über Saarländer, bei Bayern über Schwaben, bei Brandenburgern über Berliner. Menschen, die im Dialekt sprechen, werden häufig schon allein deswegen für provinziell gehalten. Auch dabei übrigens gibt es eine Art Nord-Süd-Gefälle: Ein Göttinger mag einem zwar auf die Nerven gehen, aber wenn er in schönem Schriftdeutsch spricht, neigt man zu der Annahme, er habe auch Abitur. Hört man Niederbayern, Menschen von der schwäbischen Alp oder gar Tiroler, stellt sich dieses spontane positive Vorurteil nicht ein. Und wie ist das eigentlich bei etlichen, im weitesten Sinne Provinzpolitikern?

Grafik: SZ Text: Kurt Kister

7. März 2008, 17:232008-03-07 17:23:00 ©