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Polen:Ein Mord wie im Buch

Dem Kommissar wurde nun klar: Mit den Sprüchen vom "perfekten Verbrechen" wollte Bala, dem die Psychiater außergewöhnliche Intelligenz bescheinigen, die Kriminalisten herausfordern. Die Breslauer Presse vermutet sogar, dass er es war, der die Ermittler anonym auf seinen Roman aufmerksam gemacht hat.

Die These, dass Bala ein intellektuelles Duell mit ihnen anstrebte, bestätigt nach Meinung Wroblewskis auch dessen Vorschlag, sich freiwillig einem Lügentest zu unterziehen. Das Protokoll hält fest, dass Bala nach jeder Frage eine ungewöhnlich lange Pause machte, fast, als wolle er meditieren.

Die Fragen nach dem unmittelbaren Tathergang verneinte er zwar, doch schlug die Nadel des Detektors, der Herz- und Atemfrequenz misst, dabei besonders stark aus. Kommissar Wroblewski meint, Krystian Bala habe geglaubt, als erfahrener Taucher habe er seinen Atem kontrollieren und somit den Lügendetektor überlisten können.

Anschuldigungen zurückgewiesen

Die Ermittler erfuhren, dass Bala wiederholt mit anderen Männern aneinandergeraten war, denen er Absichten auf seine Frau unterstellte. Dabei hatte er seinen Bekannten immer wieder verkündet, er sei in der Lage, durch Selbstkontrolle Emotionen komplett auszuschalten. An diesem Punkt aber scheiterte er nach Meinung des Staatsanwaltes: Er kontrollierte nämlich auch seine Frau auf Schritt und Tritt, sie ließ sich deshalb scheiden und verließ Breslau.

Sie ist eine kleine unscheinbare Person, ausgebildete Hotelfachfrau, die sich weder für Literatur noch für Philosophie interessiert. Sie sagte aus, ihr Ex-Mann habe auch nach der Scheidung aggressiv auf ihre Bekannten reagiert, darunter auf Dariusz J.

Der Angeklagte aber weist alle Anschuldigungen zurück, alles sei Intrige. Von dem Handy sei seine Mutter angerufen worden, bei der Internetauktion seien seine Daten verwendet worden, um ihn zu belasten. Es gebe keinen einzigen Beweis gegen ihn. Der Staatsanwalt räumt ein, dass es sich um einen Indizienprozess handelt. Das Urteil wird in Kürze erwartet.

© SZ vom 8.8.2007
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