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Polen:Ein Mord wie im Buch

Der Grundton des Buches, dessen Umschlag den Schattenriss eines Ziegenbocks mit bösen gelben Augen zeigt, ist aggressiv, die Sprache obszön und vulgär, durchsetzt mit lyrischen Passagen und philosophischen Betrachtungen. Bala hat in Breslau Philosophie studiert, er gibt selbst als Beruf Philosoph an.

Jedenfalls wurde er nach den ersten großen Berichten über seinen Fall wieder auf freien Fuß gesetzt. Der Hinweis auf die Verbindung des Opfers Dariusz J. zu Balas früherer Frau und vor allem die zahlreichen Parallelen zu Balas echtem Leben, die in dem Buch "Amok" ausgebreitet sind, hatten dem Untersuchungsrichter nicht gereicht.

Auch nicht, dass Dariusz J. am Tage seines Todes von demselben Kartentelefon aus angerufen worden war wie kurz zuvor Balas Mutter, was nach Meinung der Ermittler nur den Schluss zulässt, dass Bala der Anrufer war. Kommissar Wroblewski bekam nach der Entlassung des Verdächtigen von seinen Vorgesetzten harsche Worte zu hören und wurde obendrein von der Presse verspottet.

Dabei hatten er und sein Ermittlungsteam keine Zweifel an der Schuld des sich geschliffen artikulierenden Schriftstellers, der sich nun im Internet über das "perfekte Verbrechen" ausließ.

Spiel mit dem Kommissar?

Sie gingen noch einmal allen Spuren nach. Einer ihrer Ansatzpunkte: das verschwundene Handy des Opfers. In mühevoller Kleinarbeit fanden sie heraus, dass Bala ein Exemplar genau dieses Typs vier Tage nach dem Mord bei einer Internetauktion verkauft hatte. Dieser aber behauptet, er habe es in einem Café gefunden. Sein Anwalt sagt, es sei nicht bewiesen, dass es sich wirklich um das Handy des Ermordeten handele.

Die Nachforschungen im Internet erbrachten auch Ergebnisse, mit denen die Ermittler überhaupt nicht gerechnet hatten. So arbeiteten sie die Informationen ab, die nach der Sendung über den Mordfall im Programm 997 an die Kontaktadresse der Redaktion gemailt worden waren.

Einige dieser Mails enthielten keine konkreten Hinweise, vielmehr wurde in ihnen über das "perfekte Verbrechen" philosophiert. Was noch ungewöhnlicher war: Sie wurden von Internetcafés in Korea und Indonesien abgeschickt. Anhand der Stempel im Reisepass konnten die Männer Wroblewskis leicht nachweisen, dass Bala in dieser Zeit in diesen Ländern war, er machte Unterwasseraufnahmen für ein Tauchermagazin.

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