Plüschbären Kohle mit Kuschel-Knut

Nach dem Wirbel um den Berliner Eisbären beginnt das Wetteifern um Lizenzen und Vermarktungsrechte. In der Hauptstadt wird bereits der Plüschtiervorrat knapp.

Von Angelika Slavik

"Eigentlich", sagt Gerald Uhlich, "halte ich überhaupt nichts davon, Tiere zu vermarkten." Beim Eisbären-Nachwuchs Knut macht der kaufmännische Direktor des Berliner Zoos allerdings eine Ausnahme.

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Zu groß ist die Versuchung, vom großen Wirbel um den kleinen Bären auch wirtschaftlich zu profitieren. "Die Nachfrage seitens der Besucher nach Merchandising-Produkten ist enorm", sagt Uhlich. Schließlich sei der Bär ja auch "der ideale Botschafter für unsere eigentlichen Kernanliegen, wie Artenschutz oder der Kampf gegen den Klimawandel".

Etwa 30.000 Besucher stürmten am Wochenende den Berliner Zoo, als Knut erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Und viele gingen nach der Bärenbesichtigung nicht allein nach Hause: Mehr als tausend Stück eilig herbeigeschaffter Stofftier-Knuts hat der Zoo an jedem der Tage abgesetzt - je nach Größe zum Preis von 6,95 oder 7,95 Euro das Stück. "Da ist noch Potential für mehr", glaubt Uhlich.

Stoffversion dem Original noch nicht ganz ähnlich

Insgesamt ist der kleine Eisbär Knut also ein einträgliches Geschäft - obwohl an der Ähnlichkeit zwischen dem Original und der Stoffversion noch gefeilt wird: "Wir haben zunächst bei einem Großhändler Stoff-Eisbären bestellt, um den ersten Andrang zu bewältigen", sagt Zoo-Vorstand Uhlich.

"Wir überlegen aber, ein Tier produzieren zu lassen, das Knut noch ähnlicher sieht." Wer diesen einträglichen Auftrag bekommt, darüber wird derzeit eifrig verhandelt. Aussichtsreicher Kandidat ist dabei der traditionsreiche Plüschtierhersteller Steiff.

"Wir hoffen, in den nächsten ein bis zwei Tagen eine Einigung bekannt geben zu können", sagt Steiff-Sprecherin Gabriele Steining zur Süddeutschen Zeitung. Infolge der Knut-Berichte gibt es Steiff zufolge schon jetzt eine gesteigerte Nachfrage nach den Eisbären im Sortiment. Derzeit heißt der weiße Steiff-Teddy aber noch "Snobby" - die Markenrechte auf Knut hat der Berliner Zoo bereits schützen lassen.

Dass Steiff als einziger Stofftierproduzent die Lizenz für einen Knut-Teddy bekommen könnte, ist allerdings unwahrscheinlich. "Steiff-Produkte sind im Hochpreis-Segment angesiedelt. Nur wenige Besucher würden spontan so viel Geld ausgeben", sagt die Vertriebschefin des Berliner Zoos, Vivian Kreft. Möglich also, dass neben Steiff noch ein anderes Unternehmen zum Zug kommen könnte.

Ein solches ist der Plüschtierhersteller Nici. "Wir haben derzeit intensiven Kontakt mit dem Berliner Zoo", sagt Nici-Sprecher Uwe Klimach. Für das fränkische Unternehmen könnte Knut - nach dem Reinfall mit dem WM-Maskottchen "Goleo" - den ersten Schritt aus der Finanzmisere bedeuten. Klimach: "Wir haben bereits Eisbären im Sortiment, könnten also sehr schnell liefern."

Knuts Vermarktungspotential scheint jedenfalls nicht auf Stofftiere beschränkt: Am Mittwoch erscheint bereits die erste Knut-Single. Treffender