SZ-Kolumne "Bester Dinge":Es dreht sich was

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(Foto: imago images)

Im Koalitionsvertrag wird mit dem Begriff "Plattenladen" Kultur erklärt. Das klingt ungeheuer zukunftsweisend.

Von Martin Zips

Von "Plattdeutsch bis Plattenladen" reicht der Kulturbegriff der neuen Bundesregierung. So steht es im Koalitionsvertrag. Sehr lobenswert, dass man in Zeiten, da alles nur noch lol, cringe oder same ist, das Plattdeutsche unbedingt bewahren möchte. Rein theoretisch wären sogar auch noch Sächsisch, Schwäbisch oder Fränkisch schützenswert, aber wir wollen es jetzt auch nicht übertreiben.

Schwieriger den kulturell aufgeschlossenen Bürgerinnen und Bürgern zu vermitteln dürfte der Begriff "Plattenladen" sein. Denkt man bei "Plattenladen" heute nicht vor allem an alte, langhaarige Männer, die in Sachsen, Schwaben oder Franken in Geschäften stehen, welche zum Beispiel "Die Tonabnehmer" heißen? Wer, bitte, braucht heute noch Läden, in denen gepresste Playlists ohne Shuffle-Funktion auf kreisförmigen Polyvinylchlorid-Tonträgern in Papphüllen verkauft werden? Plattenladen klingt schon sehr nach Armin Laschet. Die designierte Außenministerin immerhin dürfte bereits mit einem CD-Spieler aufgewachsen sein. Vielleicht sogar mit einem MP3-Player. Wieso steht im Kultur-Koalitionsvertrag dann nichts von "Computer Games und Compact Discs" oder "Marvel Heroes und Motion Pictures"?

Schwer zu sagen, wofür er steht, der Begriff "Plattenladen" im neuen Koalitionsvertrag. Für Aufbruch? Anbruch? Leistenbruch? Vielleicht streamen wir jetzt einfach mal ein bisschen was Plattdeutsches von Hannes Wader, wir sind ja eine Kulturnation: "Kumm du üm Middernacht,/kumm du Klock een!/Vader slöpt, Moder slöpt, ick slap aleen." Oder wie es in Sachsen heißt: "Da gönnt'sch bleede wer'n."

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