Süddeutsche Zeitung

Plastikmüll:Asean-Staaten setzen Zeichen für den Meeresschutz

  • In Bangkok haben die Mitglieder der südostasiatischen Staatengemeinschaft Asean einem Aktionsbündnis gegen Plastikmüll zugestimmt.
  • Gemeinsam wollen sie gegen die Vermüllung der Meere angehen.
  • Verbindliche Ziele oder feste Vorgaben sind zunächst nicht vorgesehen. Dennoch kann der Pakt als Erfolg betrachtet werden.

Gewöhnlich rücken die Müllmänner erst an, wenn die Gäste eines Gipfeltreffens abgereist sind. Einsammeln, aufladen, wegkippen: Nach Großkonferenzen ist das Routine. Nur in Bangkok lief es vergangene Woche etwas anders. Dort war der Müll schon aufgehäuft, bevor das Treffen der südostasiatischen Asean-Staaten überhaupt begann. Aktivisten hatten einen Berg Plastik auf die Straße gekippt. Der Protest einer kleinen Gruppe sollte ein großes Problem aufzeigen: Asiens Umweltschützer prangern Mülltransporte aus reichen Ländern an und drängen ihre Regierungen, ein Importverbot durchzusetzen.

Abfall aus Europa, Nordamerika, Australien, Neuseeland und Japan überschwemmt Südostasien, seitdem der frühere Hauptabnehmer China die Einfuhr weitgehend verboten hat. Längst nicht alles, was in Containern um die Welt geschippert wird, lässt sich recyceln, so verschärft der importierte Abfall die Probleme in einer Region, die schon schwer mit eigenen Müllproblemen kämpft. Acht Millionen Tonnen Plastik gelangen jedes Jahr in die Ozeane, mehr als die Hälfte der Menge stammt aus China, Indonesien, den Philippinen, Vietnam und Thailand. Diese Länder haben ein sehr lückenhaftes Abfallmanagement, völlig unzureichend, um die Folgen des rasch wachsenden Konsums zu beherrschen. Strände verschmutzen, und Forscher können noch gar nicht erklären, was das Mikroplastik im Körper des Menschen womöglich anrichtet. Der Minimüll in Gestalt kleinster Plastikpartikel ist unsichtbar, findet sich aber schon in fast allen Fischen, die auf den Märkten landen.

Mikroplastik findet sich schon in fast allen Meeresfischen

Immerhin haben die Staaten der Asean-Gemeinschaft am Wochenende die sogenannte "Bangkok-Erklärung" unterschrieben, einen Pakt, um künftig gemeinsam gegen den Müll in den Meeren anzukämpfen. Es ist zunächst nicht mehr als ein Versprechen, es schreibt keine verbindlichen Ziele fest und auch keine Sanktionen, es bleibt den Ländern überlassen, welche Mittel sie einsetzen. Dennoch gilt die Initiative für die Umwelt als wichtiger Schub, besonders in Asien, wo traditionell das Prinzip der Nichteinmischung Gewicht hat. Angesichts der Müllmengen wächst die Erkenntnis, dass es - ähnlich wie bei der Drogenschwemme - ohne Kooperation kaum gehen wird. Singapurs Premier Lee Hsien Loong betonte, dass grenzüberschreitende Bedrohungen der Umwelt es "einzelnen Ländern unmöglich machen, das Problem im Alleingang zu lösen." Müll driftet mit den Meeresströmungen und landet häufig dort, wo er gar nicht weggeworfen wurde.

Ein Durchbruch? Ökologen begrüßen die Erklärung, sehen aber noch viele Defizite. Greenpeace bemängelt, dass Verpflichtungen fehlten, schon bei der Produktion von Einwegplastik anzusetzen und die Mengen zu reduzieren. Und ein Verbot von Müllimporten stand gar nicht auf der Tagesordnung. Jakarta, Manila und Kuala Lumpur haben zuletzt zwar mehrere Mülllieferungen in die Herkunftsländer zurückgeschickt, etwa nach Kanada und in die USA. Das sollte Entschlossenheit signalisieren. Aber Umweltschützer sind davon überzeugt: Es wäre besser, wenn der fremde Müll die überforderten Länder der Tropen erst gar nicht erreichte.

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Quelle:
SZ vom 24.06.2019/pvn
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