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Pippa Middleton veröffentlicht Buch:Party mit Pippa

In der Einleitung von "Celebrate" beweist die Autorin Selbstironie. Pippa Middleton räumt freimütig ein, ihre Popularität vor allem zwei Dingen zu verdanken: ihrer angeheirateten Verwandtschaft - und ihrem Hintern. Ein hingeschmiertes Machwerk, um aus diesem Ruhm Kapital zu schlagen, ist Pippas Party-Ratgeber aber nicht.

Pippa Middleton über ihren Ruhm

Das Kreuz mit der Po-pularität

Man kann nicht sagen, dass Pippa Middleton oder ihre Ghostwriter keinen Sinn für Humor hätten. Ihr gerade erschienenes Buch mit dem Titel "Celebrate" beginnt mit einem so lustigen wie lässigen Satz: "Es ist ein bisschen überraschend, noch vor deinem 30. Geburtstag wegen deiner Schwester, deines Schwagers und deines Hinterns weltweite Aufmerksamkeit (falls das das richtige Wort ist) zu erlangen."

An diesem Donnerstagabend stellte Middleton das Buch in London vor. Selbstverständlich war es nicht einfach eine Buchvorstellung, sondern ein ausgewachsenes Event, in dessen Verlauf sich Middleton in vier verschiedenen Kleidern zeigte.

Die Huffington Post recherchierte, dass es sich um Roben von Stella McCartney, Roksanda Ilincic, Markus Lupfer und Paper London handelte. Die Daily Mail erlaubte sich auszurechnen, dass die vier Kleider zusammen annähernd 3000 Pfund (rund 3800 Euro) gekostet haben müssen.

Binnen Stunden zu Berühmtheit

Pippa Middletons Schwester ist Kate, die heute als Herzogin von Cambridge firmiert, ihr Schwager ist Prinz William, Nummer zwei der britischen Thronfolge. Bei der Hochzeit der beiden im Frühjahr 2011 war sie Trauzeugin und Brautjungfer. Middleton trug ein weißes, von Sarah Burton entworfenes Kleid, und ihr Hintern erregte in diesem Kleid absurd große Aufmerksamkeit. Binnen Stunden gründete sich die "Pippa Middleton Ass Appreciation Society", deren Daseinszweck darin besteht, Pippa Middletons Hintern zu huldigen.

Die junge Frau hätte sich über diese Form des Sexismus ärgern können, doch das tat sie nicht. Sie machte das Beste draus. Sie schreibt: "Man kann wohl sagen, dass das alles Vor- und Nachteile hat." Zu den Vorteilen zählt unzweifelhaft, "die Möglichkeit, 'Celebrate' zu veröffentlichen". Zumal Middleton einen Vorschuss von 500.000 Euro erhalten haben soll.

Im Buch gibt die Autorin Tipps zum Kochen und Feiern. Das klingt natürlich erst einmal nach einer ganz billigen Masche, mit einem schnell hingeschmierten Machwerk abzukassieren. Doch "Celebrate" ist aufwendig und mit Liebe zum Detail gestaltet.

Es hat einen festen Einband, 416 Seiten und ist voller Farbfotos, auf denen entweder etwas zu essen, Pippa Middleton in verschiedenen Outfits oder ein Kind zu sehen sind. Da der Fotograf so oft es ging mit möglichst wenig Tiefenschärfe gearbeitet hat, entsteht eine verträumte Stimmung, der Eindruck einer sehr heilen Welt. "Ich bin von Natur aus ein Optimist", schreibt Middleton, "ich neige dazu, mich auf die guten Seiten zu konzentrieren."

Pippa Middleton, sister of Catherine, Duchess of Cambridge, poses for photographers to promote her first book 'Celebrate', on party planning, in London

Das Spiel mit den Kameras beherrscht Pippa Middleton mittlerweile. Ihr Buch wäre aber wohl auch ohne dieses Strahlelächeln bei der Präsentation kein Ladenhüter geworden.

(Foto: Reuters)

Das Buch hat vier Teile, jeder behandelt eine Jahreszeit. Im Herbstkapitel geht es um Halloween und gemütliche Abendessen, im Winterkapitel - genau, zum Beispiel um Weihnachten. Im Frühlingskapitel geht es um den Valentinstag und Ostern, das Sommerkapitel widmet sich Kinderfesten und Grillabenden.

Schwägerin, Schwester - Autorin

Pippa Middleton hat das Feiern nicht neu erfunden. Aber sie hat ein hübsch gestaltetes Buch im Laura-Ashley-Stil vorgelegt, einen, wenn man das sagen kann, eskapistischen Kochschinken mit Feiertipps.

"Celebrate", erläutert Middleton, beruhe auf ihrer Erfahrung im Partyzubehörladen ihrer Eltern und in einer Event-Agentur. Es soll ein umfassendes Werk zur häuslichen Unterhaltung sein.

Dafür sind dann vielleicht doch zu viele Rezepte drin. Diese aber sind klar geschrieben, schön illustriert, und einige klingen sogar so interessant, dass man sie nachkochen möchte - etwa die "Haggis Canapés", eine angenehm groteske Variante des schottischen Nationalgerichts mit Schafsmagen.

Auch das umfassende Register am Ende des Buches zeugt von der Sorgfalt, die der Verlag in das erste Werk der jungen Frau investiert hat. Die darf künftig immerhin auch einen Titel tragen, den sie nur sich selbst verdankt: Schwägerin, Schwester - Autorin.